Von Arvid Kaiser
Keine Klarheit im Jahresabschluss
Doch völlig frei von Ausfallrisiken ist auch die Deutsche Bank nicht. Ackermann musste wenig später für das dritte Quartal Abschreibungen von 2,2 Milliarden Euro verkünden (schwarze Zahlen gab es trotzdem). Weitere Ausfälle seien aber nicht zu befürchten, jetzt habe die Bank alle Risiken offengelegt. Doch ist damit das letzte Wort gesprochen?
Inzwischen hat Ackermann das Volumen der Zweckgesellschaften, die außerhalb der Bankbilanz möglicherweise faule Kreditforderungen parken, auf 32 Milliarden Euro veranschlagt. Selbst auf den deutschen Branchenprimus und geschickten Subprime-Jongleur könnte also noch etwas zukommen. Im November beklagte er den "Investorenstreik" - und freute sich wiederum, dass es die Konkurrenz härter trifft.
Doch alle Zeichen sprechen gegen die Banken. Die Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's haben angekündigt, die Schuldverschreibungen der Conduits abzustufen - da hilft auch kein Superconduit mehr, wohl auch ein Grund für die plötzliche Bilanzehrlichkeit der Citi.
Ein Gerichtsurteil aus dem US-Staat Ohio setzt ein dickes Fragezeichen über den Wert aller verpackten Hypothekenkredite. Der Richter verbot der Deutsche-Bank-Tochter National Trust, die Häuser säumiger Schuldner zu beschlagnahmen. National Trust könne das Eigentum an den Forderungen nicht belegen. Ob sich diese Rechtsprechung durchsetzt, ist fraglich. Doch allein die Möglichkeit gefährdet den Wert aller ABS.
Alexander Pockrandt ist überzeugt, dass noch massive Abschreibungen kommen werden. Weder die Quartalsbilanzen in den USA noch die Jahresabschlüsse im Frühjahr brächten endgültige Klarheit. Seine Warnung: "Selbst was mit Bilanzkosmetik retuschiert werden sollte, taucht irgendwann wieder auf."
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