Von Arvid Kaiser
Transparenz oder Prinzip Hoffnung?
"Das Problem der ABS- und CDO-Krise liegt darin, dass alles mit allem zusammenhängt", sagt Alexander Pockrandt, Vorstand der Frankfurter Firma Valueprice, die solche illiquiden strukturierten Kreditprodukte bewertet. "Wenn jemand in den USA seine Hypothek nicht mehr bezahlen kann, stellt sich automatisch die Frage, wie lange er noch seinen Konsumentenkredit, seine Auto- oder Kreditkartenschulden bedient." Noch sind diese Dominosteine nicht gefallen, doch der Markt für die verbrieften Forderungen ist längst nahezu zusammengebrochen. Je länger die Krise dauert, desto mehr müssen die Banken abschreiben.
"Ob beziehungsweise wann eine Liquidität auf Vorkrisenniveau wieder erreicht wird, kann derzeit noch nicht abgesehen werden", befindet das Institut der Wirtschaftsprüfer, das jetzt ein Positionspapier zur Bewertung der Kreditpakete herausgegeben hat. In den Bilanzen sollen "auch psychologische Überzeichnungen im Markt oder eine relative Illiquidität wertmindernd" eingerechnet werden, heißt die klare Ansage.
Es muss also ein Marktwert gefunden werden, auch wenn es kaum einen Markt gibt. Das ist die schwierige Aufgabe, der sich Pockrandt und Kollegen verschrieben haben. Vorgeschrieben ist die Bewertung nach dem "Fair Value" allerdings nur in den internationalen Bilanzregeln IFRS. Das deutsche Handelsgesetzbuch, nach dem noch die Mehrzahl der (nicht börsennotierten) deutschen Banken bilanziert, lässt mehr Spielraum.
Pflicht oder nicht, eine "Entwicklung in Richtung Transparenz" hat Pockrandt im Valueprice-Kundenkreis beobachtet. Allerdings gibt es auch bei den Banken, die nach IFRS bilanzieren, keine Garantie, dass alles offengelegt wird. Schließlich ist ein Großteil der Kreditpakete in speziellen Zweckgesellschaften (Conduits) untergebracht. Solange die nicht in Geldnot geraten und von der Mutterbank unterstützt werden müssen, hat das keine Folgen für die Bilanz.
Andere setzen auf das Prinzip Hoffnung, dass sie keine Abschreibungen riskieren müssen, weil sich der Markt schnell erholt. Je weniger schlechte Nachrichten es gibt, desto größer die Chancen, dass die Banken untereinander wieder Vertrauen fassen - so das Kalkül. Welche Bank welche Strategie verfolgt, ist von außen nicht zu beurteilen. Es gibt nur Indizien.
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