12.12.2007
Twitter GooglePlus Facebook

Geldmarkt

Ein Hauch von Stagflation

Von Arvid Kaiser

3. Teil: Wie in den 70er Jahren

Wie in den 70er Jahren

Die gute Nachricht: Ein Teil der Teuerung lässt sich mit Einmaleffekten erklären. Vor einem Jahr war die Mehrwertsteuer in Deutschland noch 3 Prozentpunkte niedriger, der Ölpreis steuerte auf ein Zwischentief von 50 Dollar je Fass zu. Die heutigen Inflationsraten sind also besonders hoch, weil sie an außergewöhnlich niedrigen Preisen Ende 2006 gemessen werden.

Gefühlte Inflation: Steigende Energie- und Nahrungspreise greifen die Kaufkraft an
Zur Großansicht
REUTERS

Gefühlte Inflation: Steigende Energie- und Nahrungspreise greifen die Kaufkraft an

Im neuen Jahr dürfte sich die Lage wieder entspannen. Es sei denn, die Inflation bekommt eine Eigendynamik: Um die gesunkene Kaufkraft auszugleichen, setzen die Gewerkschaften höhere Löhne durch. Die Unternehmen reagieren darauf mit höheren Preisen. Als Lohn-Preis-Spirale ist dieser Mechanismus bekannt, die Zentralbanker sprechen in ihrem Code von Zweitrundeneffekten. Die zu verhindern, sehen sie jetzt als ihre wichtigste Aufgabe an.

Doch für echte Eingriffe fehlen die Instrumente. Schließlich geht es vor allem um Erwartungen der Märkte. Besonders die gefühlte Inflation hat Einfluss auf Lohnforderungen. Denn mit Lebensmitteln und Energie werden ausgerechnet Waren des täglichen Bedarfs teurer. Den Beschäftigten schmilzt reale Kaufkraft weg. Da hilft es wenig, wenn langlebige Güter billiger werden. Für Zurückhaltung der Gewerkschaften spricht nur die Hoffnung, dass die Zentralbanken die Preise im Lauf des nächsten Jahres schon wieder in den Griff bekommen werden.

Deshalb setzen die Zentralbanker auf Appelle. EZB-Chef Jean-Claude Trichet ruft mit der Formel zur Ruhe, der EZB-Rat stehe "bereit, mittelfristigen Aufwärtsrisiken der Preisstabilität zu begegnen". Dennoch rechnen die EZB-Volkswirte damit, dass die Verbraucherpreise im kommenden Jahr um 2 bis 3 Prozent zulegen - was bedeutet, dass "die Periode vorübergehend hoher Inflationsraten etwas ausgedehnter wäre als zuvor erwartet".

Einige Geldpolitiker wie Direktoriumsmitglied Jürgen Stark oder der finnische Notenbankchef Erkki Liikanen zweifeln diese Mitarbeiterprognose offen als noch zu optimistisch an. "Im EZB-Rat sind wir zu einer anderen Einschätzung gekommen: Dass die Risiken für Preisstabilität in der Tat aufwärtsgerichtet sind", sagte Stark. Goldman-Sachs-Chefökonom Jim O'Neill malt ein düsteres Bild für die Zentralbanken: "Im großen Ganzen könnte dieses Jahrzehnt immer noch so werden wie die 70er."

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

© manager magazin online 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH












Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Angebote von A bis ZAngebote von A-Z
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Analysieren Sie online Ihren Standort im Vergleich zu den Besten mit CONTOR-REGIOContor-Regio:
Analysieren Sie
online Ihren Standort
Seminarmarkt: Tanken Sie KarrierewissenSeminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug?GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden TarifHandytarife:
Finden Sie den passenden Tarif
Medführer: Finden Sie Ihren Arzt oder Ihre KlinikMedführer:
Finden Sie Ihren Arzt
oder Ihre Klinik
imedo Arztsuche: Ärzte, Therapeuten, Heilpraktiker und Apothekenimedo:
Ärzte, Heilpraktiker, Apotheken