Von Rita Syre
Frankfurt am Main - Die deutschen Bankenkunden sind "Rosinenpicker". Das zumindest ist die Schlussfolgerung, die das Beratungsunternehmen Ernst & Young aus einer von ihm in Auftrag gegebenen Umfrage zieht. 3000 Verbraucher mit einem Nettoeinkommen von mindestens 3000 Euro im Monat sind durch das Markforschungsinstitut Valid Research im Juli dieses Jahres befragt worden.
Blick auf den Bankkunden: Laut Ernst & Young achten Deutschlands Verbraucher bei der Wahl des Finanzhauses vor allem auf den Preis
Nahezu die Hälfte der Befragten (46 Prozent) kaufen Finanzprodukte von zwei bis drei Dienstleistern und sogar 29 Prozent (bei den über 45-Jährigen 14 Prozent) von drei bis fünf Häusern. "Die jungen, gut Verdienenden betreiben das Bankhopping", konstatiert Müller-Tronnier. Das Hausbankkonzept verliere also im Privatkundengeschäft der Banken zunehmend an Bedeutung.
Preis wichtiger als Beratung
Nach dem Ergebnis der Umfrage entscheiden die Deutschen bei der Wahl der Produkte vor allem nach dem Preis. 93 Prozent der befragten Verbraucher von Bankprodukten nennen zwar die Seriosität als wichtiges Kriterium bei der Auswahl eines Finanzdienstleisters. Aber 88 Prozent wählen ihre Bank auch unter den Gesichtspunkten günstige Konditionen und Beratung aus.
Nach Ansicht Müller-Tronniers ist allerdings längst der Preis als Auswahlkriterium wichtiger als die Beratung. Darauf hätten die Banken in ihrer Werbung schon längst reagiert. Sie überschlagen sich mit jeweils überbietenden oder unterbietenden Angeboten bei Giro- und Tagesgeldkonten sowie Krediten. "Der Wettbewerb zwischen den Banken im Privatkundengeschäft findet vor allem über den Preis statt", sagt der Ernst & Young-Partner. Das Kriterium Beratung werde lediglich "reflexhaft" genannt.
Eine Entwicklung, die auch Müller-Tronniers Kollege Joachim Spill mit Sorge sieht. Schließlich gerieten die Finanzhäuser so in eine Zwickmühle. Mit dem margenstärkeren Beratungsgeschäft könnten sie weniger punkten, und bei Preisbrecherangeboten würden die Margen immer stärker unter Druck gerieten. Die Beratung wiederum krankt laut Spill daran, dass am Schalter Produkte wie Fonds lediglich abverkauft würden, um die gesteckten Vertriebsziele zu erreichen. Das reiche den Kunden heute nicht mehr aus.
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