Von Frank Bulthaupt
Flucht in die Qualität drückt Renditen
Zwar ist es den Zentralbanken gelungen, den sehr kurzfristigen Sektor im Interbankenmarkt zu beruhigen und sowohl Niveau als auch Volatilität der Tagesgeldsätze zu normalisieren, allerdings nicht in den längeren Laufzeitenbereichen des Geldmarktes.
Unter Druck: Die Zinsen für Staatsanleihen sind zuletzt gesunken
Vertrauensschwund und die Flucht in sichere deutsche oder US-amerikanische Anlagemöglichkeiten drücken spürbar die Kapitalmarktrenditen am langen Ende. Ihr Einfluss kann mit Hilfe ökonometrischer Modelle quantifiziert werden: Bezogen auf 10-jährige US-Staatsanleihen ist dieser Effekt gegenwärtig auf 30-40 Basispunkte zu veranschlagen.
Dieser Befund hat für den Zinsausblick die Konsequenz, dass auf kurze Sicht ein Abwärtspotential der Kapitalmarktrenditen begrenzt ist: Unterbleiben größere Schocks, so sollte sich bis zum Jahresende die Belastung an den Bondmärkten allmählich abbauen und der Pfad der Angst verlassen werden. Die Renditen für Staatsanleihen werden in diesem Umfeld wieder in Richtung fundamental gerechtfertigter Niveaus ansteigen.
Selbst weitere US-Leitzinssenkungen von 25 bis 50 Basispunkten bei gleichzeitigem Abwarten der EZB dürften den Renditeanstieg auf beiden Seiten des Atlantiks nicht aufhalten.
Dabei bleiben die Kapitalmarktrenditen der USA angesichts der unterschiedlichen Preisdynamik signifikant über jenen des Euro-Raums. In diesem Szenario der Normalisierung werden die 10-jährigen US-Renditen im kommenden Jahr wieder ein Niveau von 5 Prozent erreichen.
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