Von Kai Lange
Der Streit um den Börsengang der Deutschen Bahn offenbart immer wieder dasselbe Dilemma. Der Bund will durch Verkauf eines ehemaligen Staatsbetriebs Geld einnehmen und Verpflichtungen loswerden, gleichzeitig aber die Kontrolle behalten. Dass ein Industriestaat seine komplette Schieneninfrastruktur nicht leichter Hand an einen x-beliebigen Privatinvestor verkaufen darf, leuchtet ein. Also ist Kreativität gefragt, um den Börsengang doch noch hinzubekommen.
Der Konflikt zwischen Bahn und Bundesregierung ist so festgefahren, dass wieder Ideen und Begriffe ein Comeback feiern, die sich eigentlich längst als untauglich erwiesen haben. Die Ideen einer "Volksaktie", einer "Vorzugsaktie" sowie einer "garantierten Dividende" gehören definitiv dazu.
Wer hätte gedacht, dass mehr als zehn Jahre nach dem Telekom-Desaster die "Volksaktie" wieder herausgekramt wird? Dass die deutsche Besonderheit einer stimmrechtslosen Vorzugsaktie, von internationalen Investoren sowie auch von der deutschen Corporate-Governance-Kommission mehrfach kritisiert, plötzlich wieder salonfähig ist? Und dass Vertreter aller Parteien selbstbewusst von einer "garantierten Dividende" sprechen, obwohl die Gewinnentwicklung der Deutschen Bahn völlig unklar ist? Keine dieser drei Ideen ist offenbar zu absurd, um sie nicht forsch zu einem Konzept zusammenzurühren und es dem Anleger als Lösung aller Probleme zu verkaufen.
So werben Verkehrsminister der Länder, Vertreter des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und Politiker quer durch die Parteien für das abenteuerliche Konzept, Anteile der Bahn nicht an Finanzinvestoren, sondern als stimmrechtslose Vorzugsaktie an Privatanleger zu veräußern. So werde der Bund die Bahn los, bleibe aber im Führerhaus.
Die Begriffe "Volksaktie" und der Lockruf einer garantierten Dividende sollen es dem Anleger schmackhaft machen, dass er für die Zukunft der Deutschen Bahn zwar bezahlen soll, aber nicht über die künftigen Geschicke des Unternehmens entscheiden darf. Auch Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hält die Idee für "sehr interessant". Doch schon ein flüchtiger Blick auf die Entwicklung einiger Dax-Konzerne wie etwa der Deutschen Telekom oder von Volkswagen zeigt, dass dieses Konzept auf den Müll gehört.
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