Hamburg - In Deutschland liegen derzeit Immobiliendeals mit einem Volumen von mehreren Milliarden Euro auf Eis, weil die Investoren die für einen Kauf erforderliche Finanzierung nicht erhalten. Auf zehn Milliarden Euro schätzt Martin Braun, Partner beim internationalen Maklerhaus Cushman & Wakefield (C & W), allein am Gewerbeimmobilienmarkt das Volumen der vor dem Abschluss stehenden Transaktionen. "Ein Großteil davon kommt nicht nach Plan zustande, weil die Banken bei der Kreditvergabe extrem vorsichtig geworden sind", sagt der Experte.
Der Grund für die Zurückhaltung der Bankhäuser sind die Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten, die das Geschäft mit der Kreditverbriefung weltweit praktisch zum Erliegen gebracht haben. Nachdem die Krise am US-Hypothekenmarkt offenbart hat, welche Risiken in den weltweit verstreuten ABS-Papieren lauern können, fasst kaum noch ein Investor diese Papiere an - gleichgültig mit welchen Werten sie besichert sind.
An den Finanzmärkten rund um den Globus hat das bereits zu erheblichen Liquiditätsengpässen geführt. Immer wieder brechen an den wichtigen Handelsplätzen wie New York, Frankfurt und Tokio die Aktienkurse ein. Mehrfach sahen sich in den vergangenen Tagen Zentralbanken genötigt, frisches Geld in die Märkte zu pumpen. Zuletzt reagierte die US-Notenbank Fed mit einer Senkung des Diskontsatzes um 0,5 Prozentpunkte.
"Die Maßnahme der Fed könnte für Entspannung sorgen", sagt Christian Ulbrich, Deutschlandchef des Immobilienberaters Jones Lang LaSalle. "Die Notenbank nimmt den übrigen US-Banken die Kreditprobleme ab und sorgt für Liquidität im Markt. Diese dürfte früher oder später auch nach Europa schwappen."
"Die Bänker drehen Däumchen"
Bis dahin ist jedoch einer der wichtigsten Refinanzierungskanäle der großen europäischen Immobilienfinanzierer wie der Deutschen Bank
, der britischen Barclays
oder der Royal Bank of Scotland
verstopft. "In deren Verbriefungsabteilungen sitzen die Leute zurzeit und drehen Däumchen", sagt ein Marktinsider zu manager-magazin.de.
Hintergrund: Auch bei Gewerbeimmobilien ist die Refinanzierung über Kreditverbriefungen seit Jahren auf dem Vormarsch. "Die Banken wandeln sich mehr und mehr zu Dienstleistern, die die Kredite oder die damit verbundenen Risiken an Investoren auf dem Kapitalmarkt vermitteln", erläutert Braun. "Das Problem ist, dass sich momentan zu den bisherigen Konditionen kein Abnehmer für solche Verbriefungen findet." Die Eurohypo
, einer der führenden deutschen Immobilienfinanzierer, hat aus diesem Grund kürzlich bereits eine milliardenschwere Verbriefungsaktion verschoben. Die Platzierung wurde vorläufig in den Herbst verlegt.
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