Von Karsten Stumm
mm.de: Herr Berg, was ist da draußen los? UBS-Chef Peter Wuffli musste wegen Problemen mit dem UBS-Hedgefonds Dillon Read Capital das Handtuch werfen. Dann verlor Amerikas Eliteuniversität Harvard viele Millionen Dollar durch die Pleite des Fonds Sowood Capital. Kurz darauf geriet das kleine deutsche Geldhaus IKB
ins Trudeln - und jetzt brechen die Aktienkurse ein. In was für eine Krise schlittern wir da eigentlich?
Berg: In eine globale Finanzmarktkrise, die alle erfasst: Börsengelistete Hypothekenfinanzierer, Banken, aber auch zahlreiche Aktienunternehmen wie New Century Financial
mm.de: Sind wir schon so weit? An den Weltleitbörsen sinken die Kurse zwar deutlich, aber von einem Crash oder Ausverkauf kann man doch wirklich noch nicht sprechen.
Berg: Der große Crash kann aber noch kommen. Manche Fondsmanager sprechen derzeit von den schlimmsten Turbulenzen, die sie je gesehen haben. Wahrscheinlich deshalb, weil sie auf dem falschen Fuß erwischt worden sind. Plötzlich fordern Banken von ihnen Kredite zurück, doch das Geld dafür haben sie nicht flüssig. Deshalb müssen sie sich schnell Bares beschaffen, durch den Verkauf von Wertpapieren.
mm.de: Geraten darum heute selbst die Aktienkurse jener Unternehmen ins Rutschen, die eigentlich blendende Geschäfte machen? So, wie beispielsweise viele Dax-Firmen?
Berg: Ja, genau. In der aktuellen Marktpanik finden die Hedgefondsmanager für viele ihrer Wertpapiere keine Käufer mehr. Sie brauchen aber schnell Geld. Was also bleibt ihnen anderes übrig, als ihre besten Stücke auf den Markt zu werfen, Topaktien aus Dax
, Dow Jones
und Nikkei
zum Beispiel. Das funktioniert, aber so drücken sie die Weltleitindizes nach unten.
mm.de: Gegen solche Panikreaktionen sind doch angeblich längst Sicherheitsnetze eingezogen worden …
Berg: … die aber teilweise nicht mehr wirken! Zahlreiche Hedgefonds und Banken sind zu hohe Risiken eingegangen. Die Spekulation in den Carry Trades und den Kreditderivatemärkten hatte zuletzt atemberaubende Ausmaße angenommen. Die Verwerfungen an den Märkten sind derart groß, dass selbst Computerprogramme versagen, die eigentlich das Risiko begrenzen sollen. Hedgefondsmanager beklagten sich in den vergangenen Tagen schon über falsche Verkäufe durch ihre Computerprogramme.
© manager magazin online 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH