Von Karsten Stumm
Schlimmer als vor der Asien-Krise
mm.de: Stehen wir womöglich vor einer neuen Asien-Krise, weil sich die Hedgefonds ausgerechnet die Wackelbörse in Shanghai als Spielwiese ausgeguckt haben?
Berg: Die Gefahren für die weltweiten Finanzmärkte sind sogar höher als vor der Asien-Krise. Chinas Wachstum ist bereits so unausgewogen und instabil geworden, wie in vielen Tigerstaaten Südostasiens, als die Asien-Krise ausbrach. Denn die Chinesen haben viele Investitionen auf Pump finanziert; als Sicherheiten für den Kauf spekulativer Immobilien werden riskante Aktien hinterlegt. Der Anteil Not leidender Kredite ist entsprechend hoch. Und die Kreditvergabe maroder Banken übersteigt sogar schon Chinas Bruttoinlandsprodukt.
mm.de: Welche Folgen hätte die neue Asien-Krise für uns?
Berg: Schlimme, denn die Märkte sind heute vernetzter als noch während der Krise vor zehn Jahren. China steht heute schon im Zentrum des globalen Finanzsystems, und ein Marktkollaps dort würde schnell das Wachstum der Weltwirtschaft gefährden. Die Regierung in Peking versucht daher alles, um die Spekulation einzudämmen. Bisher mit wenig Erfolg: Täglich nimmt die Nervosität an den Finanzmärkten Chinas zu ...
mm.de: ... und die Hedgefonds heizen die Spekulation immer weiter an?
Berg: Wie weit, ist schwer zu sagen. Denn niemand weiß, welchen Aktienanteil die Hedgefonds bereits halten. Allerdings haben sich die Fonds in den vergangenen Jahren kräftig in Japan verschuldet und die Gelder in den Schwellenländern investiert. Nicht zuletzt in China.
mm.de: Warum wehren sich Amerika und Großbritannien dann gegen den Vorschlag des deutschen Finanzministers Peer Steinbrück (SPD), Hedgefonds zumindest auf einen Verhaltenskodex zu verpflichten?
Berg: Englands Wirtschaftswachstum beispielsweise resultierte in den vergangenen Jahren nicht zuletzt aus dem Erfolg der Hedgefonds und Private-Equity-Fonds. Internationale Anleger überwiesen Milliarde für Milliarde in die britische Hauptstadt. Mittlerweile hängt jeder fünfte Arbeitsplatz in Großbritannien an dem Erfolg der Branche. Das wollen die Briten nicht riskieren.
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