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06.06.2007
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Hedgefonds

"Wir sitzen auf einem Vulkan"

Von Karsten Stumm

Finanzminister Peer Steinbrück will Hedgefonds an die Kandare nehmen, doch Amerikaner und Briten sträuben sich. Bearingpoint-Experte Bernd Berg sagt manager-magazin.de, warum die Engländer von den Finanzungetümen fasziniert sind, was die Fonds mit einer neuen Asien-Krise zu tun haben - und warum dem Minister ein Börsencrash während des G8-Treffens recht käme.

mm.de: Herr Berg, der LTCM-Fonds ist bereits 1998 zusammengebrochen. Damals kam die amerikanische Zentralbank zur Hilfe, um eine Katastrophe für den Finanzmarkt abzuwenden. Ist die Welt auf solche Rettungsaktionen hilflos angewiesen?

Asien-Krise: Wirtschaftsdaten ähneln zum Teil wieder jenen aus der Zeit der Straßenschlachten und Plünderungen vor zehn Jahren - und Hedgefonds mischen mit, sagen Experten
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DPA

Asien-Krise: Wirtschaftsdaten ähneln zum Teil wieder jenen aus der Zeit der Straßenschlachten und Plünderungen vor zehn Jahren - und Hedgefonds mischen mit, sagen Experten

Berg: Wir sitzen auf einem Vulkan. Niemand weiß genau, wie groß das Risiko eines weiteren Hedgefondszusammenbruchs derzeit ist. Und niemand weiß, ob die Notenbanken die mögliche Katastrophe dann noch einmal abwenden können.

mm.de: Kann es denn einen großen Zusammenbruch geben?

Berg: Die Gefahr besteht, obwohl sich die Lage in den vergangenen Jahren auf niedrigem Niveau verbessert hat. Ehemals hoch angesehene Fonds, wie beispielsweise der LTCM-Hedgefonds, mussten in den 90er Jahren nicht einmal Sicherheiten bei den Banken für ihre Geschäfte hinterlegen. Man vertraute ihnen blind. Das ist heute anders. Die Banken haben ihre Risikomanagementsysteme verbessert und sind vorsichtiger bei der Kreditvergabe an Hedgefonds.

mm.de: Die Bundesbank fürchtet dennoch, dass die nächste Hedgefondskrise das gesamte Weltfinanzsystem erschüttert - und so eine globale Wirtschaftskrise auslöst. Warum ist den Bundesbankern dann so bange?

Berg: Weil die Risiken unter dem Strich noch immer hoch sind. Viele Hedgefonds stecken zum Beispiel ganz tief im Währungs- und Zinsgeschäft drin, in den sogenannten Carry Trades, die auch mal aus dem Ruder laufen können. Darüber hinaus beherrschen die Fonds schon mehr als die Hälfte des internationalen Kreditderivatehandels - und sie sind an Chinas Börse aktiv ...

mm.de: ... vor der selbst Chinas Regierung ihre Bürger warnt, nicht ihre gesamten Ersparnisse sorglos in den Aktienmarkt zu stecken.

Berg: Richtig. Die Schwankungen in Fernost können schnell zu einem Problem werden, wenn Hedgefonds plötzlich ihre Positionen in den Emerging Markets und im Yen auflösen, etwa aufgrund einer Marktpanik. Und die Börse in Shanghai ist bereits zu einem Spielcasino geworden. Erst gestern sackte der chinesische Leitindex um 7 Prozent ab, dann lag er plötzlich 1 Prozent im Plus. Die Krise an Chinas Börsen wird immer unheimlicher.

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