Göttingen - Das Vollstreckungsgericht im Amtsgericht Göttingen habe bis zum 21. Mai 137 Haftbefehle gegen führende Manager als gesetzliche Vertreter des Finanzkonzerns erlassen, nachdem sie Vollstreckungsmaßnahmen vereitelt beziehungsweise verschleppt haben sollen.
Die "Süddeutschen Zeitung" (Samstag) beruft sich auf ein Schreiben des Gerichts, das dem Blatt vorliege. Inzwischen soll die Zahl der Haftbefehle sich auf 170 erhöht haben. Mehrere hundert weitere sollen folgen, hieß es. Das Gericht war am Samstag nicht erreichbar.
Die Göttinger Gruppe war in den neunziger Jahren der größte Anbieter von so genannten atypischen stillen Beteiligungen in Deutschland. Nach früheren Angaben hat der Finanzkonzern bei mehr als 100.000 Sparern gut eine Milliarde Euro eingesammelt.
Die Haftbefehle richten sich nach Informationen der "SZ" gegen Jürgen Rinnewitz und Marina Götz als gesetzliche Vertreter und Vorstandsmitglieder der Securenta AG, dem Herzstück der Göttinger Gruppe. Das Unternehmen hatte als Altersvorsorge Unternehmensbeteiligungen angeboten, die den Anlegern aber häufig nur Verluste brachten. Auch wurden die Kunden über die hohen Risiken dieses Anlagemodells nicht ausreichend aufgeklärt.
Gibt es ein Zahlungsproblem?
Das Bundesgerichtshof hatte im Frühjahr 2005 den Anlegern, die im Streit mit der Göttinger Gruppe lagen, den Rücken gestärkt. Danach konnten Anleger auf Rückzahlung ihrer Gelder pochen. Tausende klagten gegen Securenta. Dadurch sei das Volumen der Rückforderungen so stark angeschwollen, dass Rechtsanwälte immer wieder von Zahlungsproblemen der Göttinger Gruppe berichtet hätten, schreibt die "SZ".
Die Haftbefehle habe das Gericht erlassen, um die Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung über die aktuellen Vermögensverhältnisse der Securenta zu erzwingen. Rinnewitz und Götz halten sich nach Informationen der "SZ" nicht mehr in Göttingen auf. Die Firmenzentrale in Göttingen - dort läuft ein Anrufbeantworter - werde zum Verkauf angeboten.
manager-magazin.de mit Material von dpa
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