16.11.2006
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Russland

"Etwas imperialistisch veranlagt"

Von Arne Gottschalck

2. Teil: "Mehr als nur Öl und Gas"

mm.de: Wie hat sich der Ölreichtum eigentlich auf das Land ausgewirkt?

  Kasachstan-Freund:  Stefan Böttcher sieht das vom Komödianten Borat bekannt gemachte Land in einer ähnlich starken Situation wie Russland. Böttcher beschäftigt sich schon seit Jahren mit russischen Aktien, heute in der eigenen Investmentgesellschaft Charlemagne Capital.
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Kasachstan-Freund: Stefan Böttcher sieht das vom Komödianten Borat bekannt gemachte Land in einer ähnlich starken Situation wie Russland. Böttcher beschäftigt sich schon seit Jahren mit russischen Aktien, heute in der eigenen Investmentgesellschaft Charlemagne Capital.

Böttcher: Sehr unterschiedlich. Von den gut 250 Millionen Russen geht es 20 Millionen besser denn je, dem Gros gleich - und vielen schlechter. Das ist nicht unbedingt finanziell gemeint, sondern vom Lebensgefühl her. Der Kommunismus hat sie warm ummantelt. Das schlägt sich nun in Frustration nieder. Und Ausfluss dieses Gefühls sind die niedrige Geburtenraten und der Hang zum Alkoholismus.

mm.de: Gibt es außer dem Öl eigentlich irgendetwas in Russland, in das sich investieren lässt?

Mayo: Viele Unternehmen gehen aktuell an die Börse, die nicht aus dem Energiesektor kommen. Das sind viele Telekoms, wenn sie auch vom Gazprom-IPO in den Schatten gestellt wurden. Immerhin war der ja der zweitgrößte des Jahres. Ansonsten ist das Land stark bei Stahl und Palladium. Dazu kommen einige Banken, Immobilien in Moskau oder auch Retailer.

Dennoch ruht der Wohlstand des Landes noch immer auf dem Öl. 80 Prozent der Volkswirtschaft haben mit Öl zu tun. Wenn die Rohstoffpreise einmal fallen sollten, dann sollte man auch raus aus Russland gehen.

mm.de: Bleiben wir kurz bei den IPOs - sind das alles neue Unternehmen?

Böttcher: Nein, teilweise sind das alte Firmen, die in der Rubel-Krise untergegangen sind. Und nun kommen sie wieder auf den Markt. Heute aber mit einem anderen Verhalten. Noch vor wenigen Jahren bekam ich bei den Treffen mit Unternehmenschefs nur veraltete Zahlen zu sehen, geschweige denn solche, die sich an einheitlichen Regeln wie den International Accounting Standards orientierten. Heute ist das anders: Die Zahlen sind frisch und die Präsentationen geschliffen. Offenbar haben viele Kommunikationskurse besucht.

mm.de: Neulich war zu lesen, dass die Marktkapitalisierung des Russen-Index RTS inzwischen fast so hoch ist wie die des Dax. Macht das Ihre Arbeit eigentlich einfacher?

Böttcher: Das macht vieles einfacher, weil man besser an Aktien herankommt und noch einfacher heraus, ohne deren Kurse zu beeinflussen. Aber die gestiegenen Kurse machen die Auswahl härter. Vor zwei Jahren war das alles noch anders. Inzwischen ist Russland der zweitgrößte Emerging Market der Welt.

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