Von Rita Syre
Zinsen sollen konstant bleiben
Das Thema H5N1-Virus ist schon seit längerem auf den Bildschirmen der Analysten und Investoren, so dass bereits eine Risikoprämie in den Zinsen enthalten ist. "Aber nur eine sehr kleine, denn bislang gehen die Marktteilnehmer nicht davon aus, dass es eine richtige Pandemie wird", dämpft Praveen Befürchtungen. Die Anleihenmärkte würden ohnehin von einer Pandemie profitieren, denn sie gelten als sicherer Hafen in Krisenzeiten.
Ein Wissenschaftler an der Wall Street: John Praveen ist Managing Director und Chief Investment Strategist von Prudential International Investment Advisors in den USA. Sein Urteil wirkt sich auf die Anlageentscheidungen für Vermögensanlagen im Wert von mehr als 500 Milliarden Dollar aus. Praveen war vor seinem Wechsel in die Finanzindustrie Professor für Finance and Economics unter anderem an der California State University.
An den Aktienmärkten würde dagegen eine Korrektur einsetzen, "aber es gibt keinen Crash". Denn die Rahmenbedingungen für die Aktienmärkte wie die Höhe der Kurs-Gewinn-Verhältnisse, der Renditedifferenzen zu den Bonds und die Stärke des Gewinnwachstums der Unternehmen seien gut. Übertreibungen sieht er keine.
"Deshalb werden die Aktienkurse in den USA und in Europa im Fall des Ausbruchs einer Pandemie in Westeuropa um bis zu 10 Prozent fallen und dies eine vergleichsweise moderate Reaktion auf einen solchen Schock", meint er.
Vor allem die Aktien konjunkturabhängiger Branchen wie der Automobilbau würden zu den Verlierern zählen und auch die Wertpapiere von Fluggesellschaften und Tourismusunternehmen. Die Gewinnnerbranchen liegen auf der Hand: Gesundheitsfürsorge, Pharma und Nahrungsmittel.
Trotz des Ernstes des Themas gewinnt er dem Thema aber auch etwas Gutes für die USA ab. Schließlich hat er aus den Gesprächen in Europa erfahren, dass der US-Immobilienmarkt den Europäern große Sorgen bereitet. Der Immobilienblase, die sich im Westen der USA entwickelt habe, würde im Fall der Pandemie mit Sicherheit die Luft langsam entweichen. "Schließlich werden dann die Anleihezinsen sinken, und das erleichtert das Leben der hoch verschuldeten Amerikaner doch enorm", meint er schmunzelnd.
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