Von Lutz Knappmann
Billiges Geld erzeugte Immobilienblase
Möglich gemacht hat das erst Greenspans Geldpolitik. Nach dem Crash der New Economy in den Jahren 2000 und 2001 senkte er den Leitzins auf 1,0 Prozent. Der plötzliche Überschuss an billigem Geld bescherte seither nicht nur dem Konsum, sondern vor allem dem Immobilienmarkt einen nie gekannten Boom.
Die Preise für Häuser und Wohnungen haben mancherorts absurde Dimensionen erreicht. Die Mini-Zinsen machten die Kreditfinanzierung zum vermeintlichen Kinderspiel. Millionen Amerikaner schulden ihre bestehenden Darlehen mit immer neuen, immer günstigeren Krediten um - und pumpen das gesparte Geld in den Konsum.
Mittlerweile steigen die Zinsen wieder. Zum 14. Mal hat Greenspan den Leitzins um 0,25 Punkte auf zuletzt 4,5 Prozent angehoben. Damit will er einen weiteren Anstieg der Inflation verhindern, die mittlerweile bei über 4 Prozent liegt. Und allmählich spüren die US-Verbraucher, dass sie sich mit ihrer Verschuldung auf einen gefährlichen Deal eingelassen haben.
Höhere Zinsen könnten Millionen Häuslebauer bald in Schwierigkeiten bringen, ihre steigenden Raten zu bedienen, und so einen fatalen Dominoeffekt auslösen: Je mehr Geld für die Tilgung von Krediten draufgeht, desto weniger bleibt für den Konsum übrig. Gleichzeitig fände der Preisauftrieb auf dem Immobilienmarkt ein jähes Ende.
Auch in Deutschland wären die Schockwellen einer solchen Konjunkturabkühlung deutlich zu spüren. Nicht nur, weil die Börsenkurse sehr sensibel auf Hiobsbotschaften aus Übersee reagieren. Nur in Ausnahmefällen kann sich der Dax von den Vorgaben der Wall Street abkoppeln. Und ein Einbruch der US-Konjunktur, da sind sich die Experten einig, hätte an den Aktienmärkten gewaltige Verwerfungen zur Folge.
Stolpert die amerikanische Wirtschaft über ihre Schulden, hätte das aber auch ohne Umweg über die Börse schlimme Folgen für Deutschlands wirtschafliche Genesung: "Die Amerikaner verkonsumieren rund 20 Prozent der Weltwirtschaftsleistung", sagt der Vermögensverwalter Jens Erhardt gegenüber manager-magazin.de. "Wenn das um 10 Prozent runtergeht, haben wir sofort einen gewaltigen Ausfall weltweit."
Nach wie vor sind die Vereinigten Staaten hinter Frankreich Deutschlands zweitwichtigster Exportpartner - der Anteil beträgt knapp 9 Prozent. Und mit dem Export steht und fällt die deutsche Konjunktur. Ein Einbruch der US-Nachfrage würde den gerade erstarkenden Aufschwung wieder abwürgen.
Greenspans Nachfolger steht vor einer Gratwanderung. Stoppt er die Zinserhöhungen zu früh, wächst der Schuldenberg weiter. Stoppt er sie zu spät, riskiert er eine weltweite Finanzkrise. So oder so muss Bernanke ausbaden, was ihm sein gefeierter Vorgänger hinterlassen hat.
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