Von Lutz Reiche und Christian Buchholz
Müssen jetzt auch andere Vorstände zittern?
Aktionärsschützer halten es für möglich, dass sich die jüngste Entwicklung bei der Deutschen Börse bei anderen Unternehmen in Deutschland wiederholen könnte: "An solche Aktionärstaten werden wir uns mit der Internationalisierung unserer Aktionärsbasis gewöhnen müssen", sagte Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Gerade Aktionäre aus Großbritannien oder den USA träten viel selbstbewusster auf, sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).
Analyst Becker wollte der SdK-These dagegen nicht so ohne weiteres folgen. Ein Management das gut arbeite, hohe Gewinne erwirtschafte und zugleich eine gute Aktienperformance vorweisen könne, müsse Hedge-Fonds auch in Zukunft nicht fürchten. Der Fall Deutsche Börse habe gezeigt, dass der Konflikt sich vor allem um strategische Fragen drehte und weniger um die unbestreitbar hervorragende Gewinnentwicklung des Unternehmens.
Vor diesem Hintergrund erwartet der Analyst, dass die Aktionäre deutscher Unternehmen in Zukunft auf eine stärkere Beteiligung an wichtigen Unternehmensentscheidungen drängen werden. "Das Management eines Unternehmens wird sich in Zukunft sehr genau überlegen müssen, ob eine Akquisition wirklich Sinn macht, ob sie die Erträge steigert und auch die Aktionäre davon profitieren werden." Expansion durch Zukäufe und das Schmieden von neuen größeren Konzernen dürfte künftig jedenfalls schwieriger werden.
© manager magazin online 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH