Von Lutz Reiche und Christian Buchholz
Hamburg/Frankfurt am Main - Nach dem Sturz von Vorstandschef Werner Seifert durch angelsächsische Finanzinvestoren werde Aufsichtsratschef Rolf-E. Breuer einen Nachfolger für den Chef der Deutschen Börse
finden, teilte das Unternehmen am Montag mit. Offenbar schwebt dem Börsenbetreiber ein Kandidat von außen vor. Die Suche dürfte sich nach Einschätzung von Experten aber sehr schwierig gestalten. "Wer sich in diese Löwengrube begibt, geht ein hohes Risiko ein", erklärte ein Kenner der Frankfurter Börse gegenüber manager-magazin.de. Bereits am Montag erklärten Hedge-Fonds sowie als Nachfolger gehandelte Kandidaten, sie stünden für ein Amt bei der Deutschen Börse nicht zur Verfügung.
Breuer selbst wird Ende des Jahres aus dem Amt scheiden. So mancher Beobachter registrierte die Nachricht mit Kopfschütteln. "Ich halte seinen angekündigten Rücktritt für folgerichtig. Dass er aber erst zum Jahresende seinen Hut nimmt, ist mir schleierhaft", sagte ein Analyst. Man wolle damit "im Interesse des Unternehmens die Phase der kritischen Diskussion mit einigen Aktionären beenden", begründete der Aufsichtsratschef verklausuliert.
"Quasi öffentlich exekutiert"
Das klang ein wenig so, als ob der einflussreichste Mann in der deutschen Finanzwelt seine bislang wohl größte berufliche Niederlage noch nicht so recht erfasst zu haben schien. Fest im Netzwerk der Deutschland AG verankert, hatte Breuer in seiner Funktion als Deutsch-Banker in der Vergangenheit so manche Krise, so manchen umstritten Deal unbeschadet überstanden.
Nun aber hatten bis dato unbekannte Hedge-Fonds zum ersten Mal die Führungsspitze eines Dax-Konzerns in einem atemberaubenden Tempo in die Knie gezwungen, "quasi öffentlich exekutiert", wie ein anderer Analyst anmerkte. Derlei schien bislang unvorstellbar, wohl auch für den erfolgsverwöhnten "Mr. Finanzplatz" Rolf-E. Breuer. Im Aufsichtsrat legten neben Lord Levene drei weitere Mitglieder ihre Ämter nieder. "Nun ist die Globalisierung auch in höchsten Wirtschaftsetagen angekommen", giftete ein Aktionärsschützer.
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