Von Karsten Stumm
Hamburg - An wichtigen Stellen seiner Börsenvorträge klatscht Alfredo Cuti in die Hände. Sparsam und gezielt, nur einmal. Seine Zuhörer, zumeist mittelalte Privatanleger, sollen wissen: Jetzt kommt was Wichtiges, seine Spezialstrategie zum Beispiel. "Mit ihr", sagt Cuti, - klatsch! - "können Anleger ihr Geld immer wieder vermehren. Einfach so, ein Leben lang."
Dann reißt er beide Arme hoch, wie ein Sportler, der einen wichtigen Punktgewinn feiert.
Alfredo Cuti ist Verwaltungsrat der Aktienpower AG mit Sitz im Schweizer Ort Baar, und er ist Verkäufer. Derzeit im Angebot des gelernten Datenverarbeitungskaufmanns: Börsenseminare in der Version Gold, Platin und Turbo-Platin, jeweils für eine Gebühr in Höhe von 990 Euro. Dafür bekämen die Anleger Börsenstrategien vermittelt, die "so genial sind, dass sie die Finanzwelt in ihrem Fundament erschüttern", sagt Cuti.
Börse leicht gemacht
Erschüttert sind bisher vor allem die Seminarteilnehmer. Ihnen sind für die knapp 1000 Euro simple Aktienanalysen mit Hilfe von Durchschnittskursen als Weg "zur finanziellen Freiheit" vorgestellt worden - so einfach kann Börse sein. Und so schön mechanisch: Professionelle Chartexperten haben schon vor Jahrzehnten herausgefunden, dass mit solch starren Modellen niemand auf Dauer Erfolg haben kann.
Dennoch hat Cuti mit seinen Seminaren und dem Vertrieb eines Börsenbriefs schon jetzt so viele Menschen von seiner Börsenstrategie überzeugen können, dass die Firma nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr einen Umsatz in Höhe von 3,7 Millionen Schweizer Franken erwirtschaftet hat. Genug für das Aktienpower-Team, etwas Großes zu wagen: "Deutschlands größte außerbörsliche Emission aller Zeiten."
Alfredo Cuti will - klatsch! - Geschichte schreiben.
Die Aktienpower AG sucht ab sofort Anleger, die in das Seminarunternehmen investieren wollen. Gegen eine Zahlung in Höhe von 125 Franken können Investoren eine vorbörsliche Beteiligung an der Firma aus dem Steuerparadies Zug zeichnen, und ab 2007, sofern alles gut geht, eine Dividende von 8 bis 9 Prozent pro Jahr einstreichen - nicht gerade bescheiden: Die Dax-Werte mit der derzeit höchsten Ausschüttung, DaimlerChrysler und Deutsche Telekom, schaffen gerade einmal die Hälfte.
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