Von Hartmut Fischer
Rückkehr zur 40-Stunden-Woche?
Eine Abschaffung von Feiertagen ist nicht zwingend notwendig. Man wird sich aber darüber einig sein, dass Mehrarbeit unvermeidlich sein wird. Darum muss jetzt auch über längere Arbeitszeiten gesprochen werden.
Längere Arbeitszeiten bedeuten beispielsweise auch eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche. Eine Forderung die für eine ganze Reihe von Menschen in diesem Land gar keine Veränderung darstellt, da sie immer noch 40 Stunden die Woche und acht Stunden am Tag arbeiten. Geht es diesen Menschen schlechter, als jenen, die 37,5 oder gar nur noch 35 Stunden in der Woche arbeiten?
Würde man die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Unternehmens fragen, dürfte es Mehrheiten geben, die bereit sind, längere Arbeitszeiten in Kauf zu nehmen, wenn dadurch der eigene Arbeitsplatz gesichert würde.
Die Frage nach dem Urlaub muss erlaubt sein
Die Deutschen haben einen durchschnittlichen Urlaubsanspruch von knapp über 29 Tagen. Der EU-Durchschnitt liegt knapp unter 26 Tagen, wenn man die neu hinzugekommenen Länder noch nicht einrechnet. In diesen Ländern liegt der Anspruch bei knapp 21 Tagen.
Europas Urlaubsweltmeister sind die Schweden und Dänen mit mehr als 30 Tagen. An dritter Stelle kommen dann schon die Deutschen. Bleibt die Frage, ob man hier nicht etwas tun könnte. In den meisten Betrieben hört man im ersten Quartal des neuen Jahres den berühmten Satz: "Ich muss noch meinen alten Urlaub nehmen." Muss ich wirklich?
Mehrarbeit darf keine Einbahnstraße sein
Wir werden um Mehrarbeit nicht herumkommen. Aber die Bereitschaft der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Mehrarbeit - in welcher Form auch immer - zu akzeptieren, darf keine Einbahnstraße sein. Auch hier müssen die Interessenvertretungen von Arbeitnehmern und -gebern nach Kompromissen suchen, die der Gesamtheit nutzen. So könnte man zum Beispiel festschreiben, dass zumindest ein Teil des durch die Mehrarbeit Erwirtschafteten in Arbeitsplatz sichernde beziehungsweise Arbeitsplatz erhaltende Investitionen gesteckt werden muss.
Genauso muss klar sein, dass bei wirtschaftlicher Aufwärtsentwicklung auch wieder in die umgekehrte Richtung nachgedacht werden darf und muss.
SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend vertritt etwa die Meinung, dass man den Arbeitnehmern genug zugemutet habe und forderte: "Wir brauchen ein Paket zur Standortsicherung, in dem alle Seiten ihre Beiträge leisten - Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der Staat."
Die Flexibilität ist entscheidend
Wer über Arbeitszeitmodelle nachdenkt, darf aber nicht nur die Länge der Arbeitszeit sehen. Entscheidend ist nicht, wie lange eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer an seinem Arbeitsplatz anwesend ist. Viel wichtiger ist es, wie effektiv die Arbeit ist, die er in dieser Zeit leistet. Darum müssen wir auch die Frage der Flexibilität der Arbeitszeit neu diskutieren.
Es hat wenig Sinn, wenn ein Betrieb in Zeiten, in denen wenig Arbeit anliegt, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen muss, während diese Kräfte in saisonalen Hochzeiten mit Überstundenzuschlägen beschäftigt werden.
Auch in anderer Hinsicht spielt die Flexibilität eine entscheidende Rolle. So muss die Frage erlaubt sein, ob die traditionellen Flächentarifverträge noch zeitgemäß sind und es nicht vernünftiger ist, vermehrt auf Regional- beziehungsweise Haustarife zu setzen.
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