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manager magazin



22.10.2004
 

Börsencrash 1929

... und dann sprang er aus dem Fenster

Von Lutz Knappmann

Vor 75 Jahren erlebte die Wall Street den spektakulärsten Börsencrash des 20. Jahrhunderts. Die Schwarzen Tage vernichteten Milliardenvermögen und rissen die gesamte Welt in eine tiefe Wirtschaftskrise. Fast 25 Jahre dauerte es, bis sich die Märkte von dem Schock erholten. Ein Rückblick auf die Ereignisse im Herbst 1929.

New York - Das Datum ist Legende. Der Schwarze Freitag, jener 25. Oktober 1929, hat sich als Symbol für das jähe Ende einer Illusion ins historische Gedächtnis eingebrannt. Im Herbst 1929 platzte an der Wall Street eine gewaltige Spekulationsblase - und der Traum von Reichtum und Wohlstand für alle.

  Wall-Street:  Millionen Privatanleger verloren ihr Vermögen
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DPA

Wall-Street: Millionen Privatanleger verloren ihr Vermögen

Der folgenreichste Börsencrash des 20. Jahrhunderts markierte den Beginn der Weltwirtschaftskrise. Millionen Anleger verloren ihr Vermögen. Bis 1932 lösten sich fast 90 Prozent des US-Aktienvermögens in Rauch auf. Am Ende waren 30 Millionen Amerikaner arbeitslos, lagen die Industrieproduktion und eine Reihe von Banken am Boden. Nahezu ein Vierteljahrhundert dauerte es, bis sich die US-Wirtschaft von den Folgen erholte. Erst 1954 erreichte der Dow-Jones-Index mit 381 Punkten wieder seinen Höchststand von 1929.

Doch der Börsencrash im Herbst 1929 war nicht das Ergebnis eines einzigen Tages. Fast eine Woche lang herrschte an der New York Stock Exchange (Nyse) der Ausnahmezustand. Am Ende war nichts mehr wie zuvor - der kollektive Glaube an endlos steigende Aktienkurse war zerstört.

Dabei schien der Aufwärtstrend für lange Zeit tatsächlich grenzenlos. Ende der 20er Jahre befanden sich die Vereinigten Staaten in einem ökonomischen Rauschzustand. 1924 durchbrach der Dow-Jones-Aktienindex zum ersten Mal die Marke von 110 Punkten, die zuvor unüberwindbar schien. An der Wall Street gab es kein Halten mehr: Ohne Unterbrechung stiegen die Aktienkurse bis zum Oktober 1929 um 300 Prozent.

Die US-Wirtschaft boomte

Die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung stützte die Euphorie an der Börse. Zwischen 1927 und 1929 wuchs die US-Industrieproduktion um 25 Prozent. Autoindustrie und Radiotechnik boomten. Allein 1929 wurden in Detroit rund 5 Millionen Autos gebaut - und fanden reißenden Absatz.

Die Aktien von Auto- oder Radioherstellern waren für die Anleger der 20er Jahre, was die Internetaktien für die Kleinaktionäre in den 90ern waren. Und die historischen Schlagzeilen der Wirtschaftsblätter erinnern in der Rückschau verdächtig an die Jubelarien des verglühten Internet-Booms. "In den vergangenen fünf Jahren sind wir in eine neue industrielle Ära eingetreten", tönte 1929 das US-Magazin "Forbes". "Unsere Industrie macht Fortschritte nicht in kleinen Sprüngen, sondern in heroischen Schritten."

Wirtschaftliche Grundregeln schienen außer Kraft gesetzt. Der damalige US-Präsident Hoover jubelte: "Wir sind dem endgültigen Sieg über die Armut heute näher als je zuvor in unserer Geschichte." Und der damalige Direktor des Autokonzerns General Motors, J.J. Raskob, behauptete sogar: "Da sich das Einkommen tatsächlich an der Börse vermehren lässt, glaube ich fest, dass nicht nur jeder reich werden kann, sondern dass jeder dazu verpflichtet ist."

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