Washington - Die amerikanische Wirtschaft habe "wieder an Zugkraft gewonnen", nachdem sie im späten Frühjahr wegen des starken Anstiegs des Ölpreises etwas an Schwung verloren hatte, sagte Greenspan vor dem US-Repräsentantenhaus in Washington. Die beiden Schlüsselindikatoren Verbraucherausgaben und Hausbau hätten im Juli nach schwachen Zahlen im Vormonat wieder zugelegt, sagte er.
Mit Blick auf die hohen Ölpreise sagte der Notenbankchef, sie hätten offenbar keine Auswirkungen auf die Inflation gehabt. "Trotz der bis Mitte August gestiegenen Ölpreise haben die Inflation und die Inflationsaussichten in den vergangenen Monaten abgenommen."
Weiteres Wachstum der US-Wirtschaft Ende Juli und im August konstatierte am Mittwoch auch die US-Notenbank in ihrem so genannten Beige Book. Zugleich dämpfte die Fed in dem Bericht jedoch den allgemeinen Optimismus mit dem Hinweis, in mehreren Regionen zeige sich jedoch ein verlangsamtes Wachstum.
Der Dollar hatte in Erwartung einer optimistischen Prognose Greenspans im Vorfeld an den Devisenmärkten zugelegt. Direkt im Anschluss gab die US-Währung allerdings nach. Die Devisenmärkte hätten mit noch deutlicheren positiven Worten Greenspans gerechnet, sagten Analysten der Agentur Bloomberg.
Unmittelbar nach Greenspans Auftritt im Kongress gab der Dollar in New York zum Euro auf 1,2124 Dollar nach, nach 1,2109 Dollar am Vortag. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,2039 (Dienstag: 1,2079) Dollar festgesetzt.
Weitere Zinserhöhungen erwartet
Greenspans Konjunktur-Einschätzung deutet nach Angaben von Analysten darauf hin, dass die US-Notenbank die Leitzinsen weiter anhebt. Sie hatte die Zinswende nach einer historischen Tiefzins-Phase vor zwei Monaten eingeläutet. Der Satz für Tagesgeld wurde seitdem zwei Mal um je 0,25 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent erhöht. Der zuständige Offenmarktausschuss der Notenbank tagt erneut am 21. September.
Greenspan kritisierte das hohe US-Haushaltsdefizit, das nach der jüngsten Schätzung der Haushaltsbehörde des Kongresses in diesem Haushaltsjahr (30. September) den Rekordwert von 422 Milliarden Dollar erreichen dürfte. Das entspricht 3,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
"Die Aussichten sind Besorgnis erregend", sagte Greenspan. "Wenn die Politik sich nicht ändert, wird die Haushaltssituation sich mit Sicherheit erheblich verschlechtern, weil die geburtenstarken Jahrgänge in einigen Jahren in Rente gehen."
Dämpfer vom Beige Book
In ihrem Beige Book wies die Notenbank am Mittwoch auf eine gewisse Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in mehreren Regionen hin. Der Rückgang privater Ausgaben spiegele sich in durchwachsenem Geschäft im Einzelhandel wider sowie in einem Rückgang in Teilen des Immobilienmarkts.
Das Beige Book dient dem für die Geldpolitik verantwortlichen Offenmarktausschuss der Fed (FOMC) als wichtige Grundlage für seine Zinsentscheidungen. Der Fed zufolge ist das aktuelle Zinsniveau förderlich für das Wirtschaftswachstum. Die Währungshüter streben eine neutrale Geldpolitik an, die weder Wachstum behindert noch Inflationseffekte hervorruft.
© manager magazin Online 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH