Von Frank Bulthaupt
Gewinnentwicklung unter Druck
Darüber hinaus gerät die unternehmerische Gewinnentwicklung noch von einer weiteren Seite unter Druck: Gewachsene Zulieferketten basieren auf kurzen Lieferzeiten und geringen Frachtkosten. Erst deren Zuverlässigkeit erlaubt eine geringe Lagerhaltung und effiziente Just-in-time-Systeme.
Verschärfte Grenzkontrollen erhöhen nicht nur Wartezeiten, sondern generell die Kosten im internationalen Handel. Hinzu kommt der psychische Stress der Beschäftigten, der zusätzlich Arbeitsproduktivität und Stückkosten beeinträchtigt. Angesichts der unsicheren Reaktion der Endabnehmer kann nicht erwartet werden, dass Kostensteigerungen zügig überwälzt werden können.
Nach den Anschlägen in Madrid und der zunehmenden Unsicherheit im Nahen Osten werden sich die Folgen der Angst weltweit nicht gleichmäßig verteilen. Angst und Unsicherheit wirken kurzfristig auf Verbrauchervertrauen und Geschäftsklima. Vor allem in südeuropäischen Ländern wie Italien erfolgen häufig intensive Reaktionen der Stimmungsindikatoren auf Krisenereignisse in Nachbarländern.
Empirie widerspricht Katastrophenbefürchtungen
Die Wirkung eines Investitionsrückgangs in Europa, sei es durch Zurückstellung oder Aufschub geplanter Projekte, sollte nicht unterschätzt werden. Insbesondere in Deutschland wird der zarte Aufschwung gegenwärtig durch eine soeben wieder gestärkte Investitionsgüternachfrage gestützt. Ein Wegfall dieses Motors hätte signifikante Wachstumseinbußen zur Folge.
Demgegenüber fallen die Terrorängste und die daraus resultierenden Folgen in den USA voraussichtlich geringer aus. Hierauf deutet der im transatlantischen Vergleich deutlich schwächere Anstieg der Risikoeinschätzung, wie sich an den impliziten Volatilitäten am US-Aktienmarkt oder an den Credit Spreads ablesen lässt.
Sieht man von einzelnen Ländern mit einer langen Historie von Terrorwellen ab, so zeigt die Erfahrung, dass Terrorängste temporäre Phänomene sind - und infolgedessen auch die darauf folgenden gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen. In der Regel sind die gesamtwirtschaftlichen Effekte eines einmaligen Anschlags nach einem Jahr verschwunden.
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