Von Frank Bulthaupt
Gegenwärtig überwiegt die Zahl der positiven Einschätzungen zum Aktienmarkt. Diese Beobachtung erinnert manchen Marktbeobachter an das Ende der neunziger Jahre. Die Schnelldiagnose lautet: Analystenherde. Gibt es Anzeichen, dass Analysten angesichts der komplexen Zusammenhänge an den Börsen einem Konsensbedürfnis erliegen, anstatt eine nüchterne Marktbewertung vorzunehmen? Meine Antwort lautet: Nein.
Frank Bulthaupt, Aktienmarktexperte der Dresdner Bank, schreibt regelmäßig für manager-magazin.de
Die Eintracht der Experten hat auch was Gutes
In diesem Umfeld ist es nicht überraschend, dass ähnlich lautende Aktienmarktbewertungen gehäuft auftreten, unabhängig davon, ob die zugrunde liegenden Modellrechnungen auf kurz- oder längerfristigen Trends basieren.
Zudem hat die resultierende Eintracht der Aktienstrategen auch einen stabilisierenden Effekt: Waren die vergangenen Börsenjahre nicht durch extrem kontroverse Einschätzungen gekennzeichnet? Fast täglich beteuerte seinerzeit eine Seite Überbewertungen von mehr 25 Prozent, während die andere in gleichem Umfang Unterbewertungen diagnostisierte. Diese unterschiedlichen Signale konkurrierender Bewertungen (und auch Szenarien) erweckten beim unbeteiligten Beobachter den Eindruck des Nichtwissens der Experten und hinterließen bei Investoren Hilflosigkeit gegenüber den Prognosen.
Bewertungsmodelle versus Tintenklecksbilder
Sicherheit bietet kein Bewertungsmodell. Sollte man deshalb auf sie verzichten und auf sein Bauchgefühl vertrauen? An dieser Stelle nehme ich die Warnung der Psychologen sehr ernst: Menschen erkennen selbst dort Muster, wo gar keine sind! Beweis: Tintenklecksbilder. Irgend jemand erkennt immer etwas. Die wechselnde Vermutung neuer Triebkräfte an den Börsen ist zwar Phantasie anregend und individuell prickelnd. Als Geschäftsstrategie möglicherweise so Erfolg versprechend wie Roulette, und am Aktienmarkt vermutlich eher eine Quelle für Herdenverhalten.
Weder Herdenverhalten noch Blase zu erkennen
Im Lichte fundamentaler Bewertungsmodelle lautet meine Einschätzung: An den Aktienmärkten herrscht gegenwärtig kein Herdenverhalten. Auch sind keine Anzeichen einer Blase zu erkennen. Tintenklecksbilder spielen offenbar keine dominierende Rolle. Die Bewertungen der marktbreiten Indizes dies- und jenseits des Atlantiks sind angemessen. Infolgedessen sollte der optimistische weltwirtschaftliche Ausblick die weitere Aufwärtstendenz an der Börse weiterhin fundamental stützen.
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