Basel - EZB-Chef Jean-Claude Trichet hat den Bedenken der Europäischen Zentralbank (EZB) wegen des rasanten Euro-Anstiegs Nachdruck verliehen. "Von Seiten Europas wurde angesprochen, dass exzessive Volatilität und brutale (Wechselkurs-)Bewegungen nicht willkommen und nicht angemessen sind", sagte Trichet am Montag nach einem Treffen der Notenbankchefs der G10-Staaten in Basel vor Journalisten. "Wir sind besorgt. Wir sind nicht gleichgültig."
"Wir mögen exzessive Turbulenzen nicht"
Angesichts des anhaltenden Höhenflugs des Euro hatte die EZB bereits vergangene Woche in ihren Äußerungen zur Wechselkursentwicklung einen anderen Ton angeschlagen. "Wir mögen exzessive Volatilität oder exzessive Turbulenzen nicht besonders", hatte Trichet gesagt. Geldpolitischen Kreisen zufolge unternahm der Notenbankchef damit einen ersten Versuch, den Kursanstieg der Gemeinschaftswährung rhetorisch zu bremsen. Die Finanzmärkte zeigten sich davon jedoch weitgehend unbeeindruckt.
"Der Markt will die 1,30 Dollar sehen"
Am Montag markierte der Euro (Chart) mit 1,2900 Dollar den höchsten Stand seit seiner Einführung. Nach den Äußerungen Trichets vom Montag gab die Gemeinschaftswährung etwas nach, hielt sich jedoch weiter über 1,28 Dollar. Alles deute nun darauf hin, dass der Euro in dieser Woche am Devisenmarkt über 1,30 US-Dollar steigt, sagte ein Frankfurter Händler. "Der Markt will die 1,30 Dollar sehen, um zu erfahren, ob die EZB dann eingreifen wird", sagte ein Händler.
Ausgelöst worden war die erneute Dollarschwäche durch die jüngsten schwachen US-Arbeitsmarktdaten. Zugleich stiegen die Zweifel vieler Anleger an der Finanzierbarkeit der US-Defizite bei Haushalt und Leistungsbilanz, sagten Marktbeobachter.
Auch die japanische Notenbank zeigt sich besorgt
Unterdessen äußerte auch Japan Besorgnis über die zuletzt rasanten Wechselkursbewegungen an den Devisenmärkten. Der japanische Notenbankchef Toshihiko Fukui sagte vor dem Treffen der G10-Zentralbankchefs bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel, er teile die Sorgen von Politikern weltweit, dass die Wechselkursentwicklung ein Risiko sei.
Frankreichs Ministerpräsident Jean-Pierre Raffarin forderte zugleich Wege, um zu angemesseneren Wechselkursen zu kommen. Vor allem in Europa steigen Befürchtungen, dass der rapide Euro-Anstieg die heimische Exportwirtschaft und damit die konjunkturelle Erholung insgesamt bremst.
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