Das Aus für die Mannheimer Lebensversicherung hat für den früheren Vorstandschef der Mannheimer Konzernholding, Hans Schreiber, sowie weitere Manager der Versicherung ein juristisches Nachspiel.
Gegen Schreiber werde wegen des Verdachts der Untreue ermittelt, teilte die Staatsanwaltschaft Mannheim am Dienstag mit. Schreiber war gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender bei der Lebensversicherung. Zudem wird gegen den Vorstandschef der Lebensversicherung, Klaus Bohn, sowie den Finanzvorstand der Holding, Ulrich Lichtenberg, ermittelt, erklärte Oberstaatsanwalt Hubert Jobski.
Der Versicherer reagierte überrascht auf die Ankündigung der Staatsanwaltschaft. "Im Haus liegt nichts vor", sagte ein Sprecher. Das Unternehmen werde aber auf jeden Fall kooperieren. "Wir haben nichts zu verbergen."
Am 13. Juni hatte Hans Schreiber seinen Hut genommen. Er hatte die persönliche Verantwortung für die Krise bei dem finanziell stark angeschlagenen Versicherungsunternehmen übernommen. Der Oberstaatsanwalt sagte, nach den bisher gewonnenen Erkenntnissen lägen ausreichende Anhaltspunkte vor, dass die Beschuldigten gegen ihre Pflichten zur Wahrung der wirtschaftlichen Interessen der Versicherungsnehmer verstoßen hätten.
Mahnendes Beispiel: Doch die Insolvenz der Mannheimer Lebensversicherung dürfte nicht die einzige in der Branche bleiben, befürchten Experten
Jobski sagte, es habe keine Durchsuchung gegeben. Die Staatsanwaltschaft habe sich Unterlagen beschafft und diese ausgewertet. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) war seit der Krise bei dem Versicherungsunternehmen in das Rettungskonzept mit eingebunden. Die Lebensversicherungssparte des Konzerns war durch missglückte Aktienspekulationen in eine massive Schieflage geraten.
Die Holding muss nach früheren Angaben des neuen Vorstandssprechers Lothar Stöckbauer zufolge mit stillen Lasten in Höhe von 210 Millionen bis 230 Millionen Euro rechnen, für die sie aufkommen muss. Die Muttergesellschaft soll in dieser Höhe ein Darlehen von der Auffanggesellschaft Protektor erhalten, um nicht selbst in Bedrängnis zu kommen.
Die Mannheimer Leben hatte am 26. Juni das Neugeschäft eingestellt. Die Auffanggesellschaft Protektor teilte unterdessen in Berlin mit, dass sie alle bei der Mannheimer Leben abgeschlossenen Verträge ab Anfang Oktober übernehmen und fortführen wird. Die Erfüllung der laufenden Verträge werde dann sicher gestellt. Die Vertragsübernahme müsse noch durch die BaFin genehmigt werden.
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