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manager magazin



19.08.2003
 

MLP

Aus und vorbei

Von Lutz Reiche

Das Gastspiel in der ersten Börsenliga ist zu Ende. MLP muss den Dax verlassen, Continental rückt auf. MLP-Chef Termühlen hat zwei harte Lehrjahre hinter sich. Er muss dennoch die Verantwortung für die Degradierung übernehmen.

Hamburg/Heidelberg - Wir schreiben den 2. August 2002. Die Gerüchteküche brodelt. Der Finanzdienstleister MLP Chart zeigen werde eine Gewinnwarnung herausgeben, heißt es im Markt. Panikverkäufe und Hedgefonds stürzen die Aktie in die Tiefe.

  Zwei harte Lehrjahre  im Dax hat MLP-Chef Termühlen hinter sich
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Zwei harte Lehrjahre im Dax hat MLP-Chef Termühlen hinter sich

Kurzes Telefonat mit der Konzern-Pressestelle: "Stellen wir fest, dass die Zahlen den Markterwartungen nicht entsprechen, werden wir das kommentieren", heißt es trocken. Wenige Stunden später dann Gewissheit: Gewinnwarnung. Bis Handelsschluss verliert das Papier rund 50 Prozent - der höchste Tagesverlust einer Aktie in der Geschichte des Dax 30.

Das hilflos wirkende Krisenmanagement in Heidelberg an diesem Tag spricht Bände. Knapp zwei Wochen vor der Halbjahresbilanz hat das Unternehmen seine Daten offenbar noch nicht so geordnet, dass es die Gerüchte widerlegen kann. Kommunikation ist zweifelsohne keine Stärke von MLP. "Was wir nicht kommunizieren können, praktizieren wir auch nicht", wird Vorstandschef Bernhard Termühlen viel später sagen - zu spät.

"Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter"

Sprachlosigkeit und Mangel an Überzeugungskraft machen verwundbar. Gesellen sich Unnahbarkeit und der Ruf der Arroganz hinzu, kann dies fatale Folgen haben. Jedenfalls dann, wenn sich ein Konzern in seiner Außenwirkung so von seinem Frontmann abhängig macht wie MLP.

  Jäher Absturz:  Die MLP-Aktie im Vergleich zum Dax 30
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Jäher Absturz: Die MLP-Aktie im Vergleich zum Dax 30

"Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter", kommentiert Termühlen am 24. Juli 2001 noch die deutlichen Kursverluste kurz nach dem Aufstieg in die erste Börsenliga.

Die derzeitige Kursschwäche beeindrucke ihn nicht im geringsten, diktiert er den Journalisten in den Block. Zweifel an den märchenhaften Wachstumsraten von 30 Prozent lässt er nicht aufkommen und erneuert stattdessen flugs die Prognose.

Die One-Man-Show zieht nicht mehr

Von Bescheidenheit keine Spur. Und obwohl sich die Aktie bereits zu dieser Zeit seit ihren Höchstständen bei 190 Euro mehr als halbiert hat, gilt der Wert unter Analysten und Fondsmanagern als völlig überbewertet. Die Skeptiker sollen Recht behalten.

Schon einige Monate vor dem spektakulären Kurssturz am 2. August 2002 gerät MLP unter Dauerbeschuss von Hedgefonds, von Aktionärsschützern und vom Anleger-Magazin "Börse Online". Die Vorwürfe der Bilanzfälschung werden sich später als Fehleinschätzung erweisen.

Doch gelingt es Termühlen in diesen Monaten einfach nicht, die massiven Anschuldigungen schlüssig zu widerlegen, geschweige denn das Vertrauen der Kapitalmärkte zurück zu gewinnen. Auf Pressekonferenzen wirkt er blass, unsicher, verzettelt sich in unverständlichen Details, beschwört nahezu die Wachstumsmaschine MLP. Spätestens hier wird deutlich: Die One-Man-Show zieht nicht mehr.

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