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05.06.2003
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Bulthaupt-Kolumne

Die Vertrauensfrage

Von Frank Bulthaupt

2. Teil: Vertrauen lässt sich nicht erzwingen

Vertrauen ist eine Wette

Zwar konnten schnelle Reaktionen wie etwa der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) eine unkontrollierte Ausweitung der Krise eindämmen. Letztlich sind aber administrative Eingriffe kein Ersatz für Vertrauen in der Marktwirtschaft.

Ein im Grunde risikofreudiger Zeitgenosse wird sich nicht deshalb in einer Schubkarre über ein in schwindelnder Höhe gespanntes Drahtseil fahren lassen, nur weil es dem schiebenden Seiltänzer unter Strafandrohung verboten ist, die Schubkarre loszulassen.

Vertrauen ist eine Wette mit hohem Einsatz und zwar auf die möglichen Handlungen des Geschäftspartners. Vertrauen, umgesetzt durch einen Managementstil wie den des ehrbaren Kaufmanns, kann durch Justitia nicht erzwungen werden.

Neue Chancen für Aktien

Nun besteht zwischen völligem Vertrauen und völligem Misstrauen eine große Bandbreite. Innerhalb dieser Bandbreite offenbart sich gegenwärtig der Vertrauensverlust an den Börsen: Die Risikoaversion gegenüber Aktien liegt derzeit weit über dem konjunkturell bedingten Niveau. Dieser Vertrauensverlust wird sich nur langsam abbauen; Vertrauen kann man bekanntlich nur in kleinen Schritten verdienen.

In dieser allmählichen Vertrauensrückkehr liegt aber zugleich eine Chance, denn sie geht mit einer geringeren Risikoaversion gegenüber Aktien einher, also mit einer geringeren Risikoprämie und infolgedessen mit höheren Aktienkursen.

Denn die Investoren sind grundsätzlich zur Übernahme von Risiken bereit, was gegenwärtig auf den Anleihemärkten klar erkennbar ist: Sinkende Spreads von Emerging-Markets-Anleihen sowie von Unternehmensanleihen zeigen klar in diese Richtung. Die gegenwärtige Vorsichtshaltung gegenüber Aktien wird sich demgegenüber nur allmählich weiter normalisieren. Wie bei der Fahrt in der Schubkarre sind staatliche Reglementierungen in diesem Prozess wirkungslos.


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