Von Kai Lange
14.40 Uhr: Ricke wiegelt Befürchtungen wegen des LKW-Mautprojektes ab. "Wir werden unsere Verpflichtungen erfüllen." Prinzipiell bestehe für alle Partner des Konsortiums das Risiko von Vertragsstrafen, falls das System nicht rechtzeitig in Betrieb genommen werden kann.
14.50 Uhr: Der Telekom-Chef betont erneut, dass er UMTS "nicht isoliert betrachten will". Langfristig sollen alle D1-Kunden zu UMTS-Kunden werden. Es soll einen "fließenden Übergang" geben. Mit dem Netzausbau sei man im Plan: Die Telekom starte das neue "mobile Multimedia-Netz" im Herbst. Ricke redet nicht mehr von UMTS-Netz und wehrt sich abermals gegen einen übereilten Start: "Wir wollen Evolution, keine Revolution. Die Anwendungen müssen funktionieren."
15.00 Uhr: Personalchef Heinz Klinkhammer verteidigt die Personal-Service-Agentur PSA, die von vielen Mitarbeitern nur als Verschiebebahnhof in den vorzeitigen Ruhestand gesehen wird. Abschied von 50.000 Mitarbeitern bis 2005: Das ist kein Pappenstil. Vor allem, weil beileibe nicht nur die Telekom mit einer ausgelagerten Vermittlungsagentur auf einem nachfrageschwachen Arbeitsmarkt agiert.
"Es gibt keine Alternative zur PSA", betont Klinkhammer. Neue Arbeitsplätze hervorzaubern kann auch die PSA nicht, doch immerhin biete sie mehr Flexibilität auf einem schwachen Markt.
15.10 Uhr: Aufsichtsratschef Zumwinkel verkürzt die Redezeit erneut, diesmal von zehn auf sieben Minuten. Aktionär Henry Matthews ficht das nicht an: "Wir können uns kurz fassen, aber wir erwarten, dass unsere Fragen nicht als rhetorische Fragen aufgefasst und wirklich beantwortet werden", sagt er. Starker Applaus. Doch das Gesetz der Hauptversammlungen dürfte dadurch nicht gebrochen werden: Ausführliche Stellungnahmen, aber wenig konkrete Antworten auf kritische Fragen. Es bleibt ein Katz-und-Maus-Spiel.
15.20 Uhr: Aktionär Wolfgang Philipp kehrt auf die Bühne zurück. Im vergangenen Jahr hatte der Rechtsanwalt aus Mannheim einen rauschenden Erfolg im Saal gefeiert. Philipp kritisiert erneut den "völlig überhöhten" Kaufpreis von rund 35 Milliarden Euro für den US-Mobilfunker Voicestream. Die UMTS-Lizenz sei überdies "nicht annähernd" die gezahlten acht Milliarden Euro wert gewesen.
Hauptversammlung 2003: Hier treffen sich alte Bekannte, hier werden Fehden fortgesponnen. Philipp legt mit seiner massiven Kritik am Großaktionär Bund nach: Der Bund sei zwar immer noch Großaktionär der Deutschen Telekom, doch inzwischen stecke kein Cent Staatsgeld mehr in dem Unternehmen, betont Philipp in seiner Rede. "Selbst Honecker" habe die Bürger nicht so getäuscht.
Als Zumwinkel zart darauf verweist, dass der Redner die Zeit bereits deutlich überzogen hat, wird der Aufsichtsratschef abgebürstet. HV-Profi Philipp hat mehrere Gegenanträge gestellt, folglich benötige er auch mehr Redezeit. Der Ton wird rauer, Philipp redet sich weiter in Rage. Viel wäre noch zu sagen. Doch der Zeitdruck zwinge zum Aufhören. Durchatmen auf dem Vorstandspodium.
Immerhin - die versammelte Führungsriege hört sich die Kritik an. Eine HV dient auch zum Dampfablassen. "Illusorisch" nennt Aktionär Matthews das Ziel, in den nächsten Jahren 50.000 Stellen bei der Telekom abzubauen. Der drastische Personalabbau helfe vielleicht der Aktie, doch "am anderen Ende bezahlen auch die Aktionäre das mit höheren Steuern und Sozialabgaben."
15.45 Uhr: Ricke geht auf die Klagen gegen die Deutsche Telekom ein. Das Unternehmen hat "außer Anwaltskosten in einstelliger Millionenhöhe" für die Prospekthaftungsklage keine Rückstellungen gebildet, da die Telekom die Erfolgsaussichten der Klage als "gering" einschätzt. Er werde den Aktionären der dritten Tranche kein Vergleichsangebot machen und auch nicht auf die Verjährungsfrist verzichten, da er "als Unternehmenschef im Interesse des Unternehmens handeln muss".
Da ist sie nun doch, die Grenze zum Aktionärsvolk. Gemeinsam geht eben nicht alles. Manchmal treffen Interessen unvereinbar aufeinander. Da hilft auch Rickes Nachsatz nicht, dass "er das Ansinnen sehr gut verstehen kann" und "um Verständnis bittet, dass er auch das Interesse der übrigen Aktionäre im Blick behalten muss". Zur Verbrüderung mit den Aktionären aus dem Boomjahr 2000 wird es nicht kommen. Nach einer kurzen, betretenen Pause übergibt Ricke an seinen Finanzchef: Ein erneutes kleines Zahlengewitter soll nach dieser heiklen Frage erstmal die Gemüter beruhigen.
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