Von Frank Bulthaupt
Seit März dieses Jahres befindet sich SARS auf dem Radar der Weltgesundheitsorganisation WHO. Mittlerweile wurden weltweit über 4000 Menschen infiziert und rund 220 Opfer beklagt. Das Virus aus der Klasse der Coronaviren gilt zwar als vergleichsweise wenig ansteckend und mit einer Mortalitätsrate von drei bis fünf Prozent als wenig aggressiv. Es reiht sich allerdings nahtlos in die Reihe der fast jährlich neu auftretenden Erreger ein.
Frank Bulthaupt, Aktienmarktexperte der Dresdner Bank, schreibt regelmäßig für manager-magazin.de
Jede Epidemie stellt nicht nur Mediziner vor neue Herausforderungen. Unterschiede hinsichtlich der Übertragung der Viren, ihrer Aggressivität sowie der Einflussfaktoren ihrer Übertragungsgeschwindigkeit erfordern jeweils intensive Analysen. Der medizinisch-technische Forschungsstand, die Funktionsfähigkeit des Gesundheitssystems, der Immunstatus der Bevölkerung und die Mutation des Virus beeinflussen letztlich die entscheidenden Kennzahlen der Epidemie: die Geschwindigkeit und die Dauer ihrer Ausbreitung sowie ihr Effekt auf die Lebenserwartung der Bevölkerung.
Diese Kennzahlen bestimmen maßgeblich das Ausmaß der ökonomischen Belastungen, denen die Volkswirtschaften ausgesetzt sind. Die Stärke der über die medizinischen Kosten hinausgehenden ökonomischen Belastungswellen kann Werte auf einer Skala von bis zu drei Stufen erreichen.
Erste Stufe: Ausweichverhalten der Konsumenten
Orte mit erhöhtem Infektionsrisiko werden gemieden. Dieses Ausweichverhalten betrifft zunächst Einkaufszentren und Restaurants (zumindest im Fall der Tröpfcheninfektion).
Ein Ausbleiben von Touristikströmen, ein Rückgang von Hotelbuchungen oder Fluggastzahlen in als gefährdet geltende Gebiete sind weitere ökonomische Konsequenzen auf Branchenebene. Erste Wachstumsrevisionen, wie beispielsweise derzeit für Hongkong, Singapur und China, sind die logische Folge.
© manager magazin Online 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH