Mittwoch, 8. Februar 2012, 17:27 Uhr

manager magazin



19.05.1999
 

Bahlsen

Süß und salzig

Wenn zwei sich streiten, müssen sie teilen. Bei Bahlsen wurden sich die Erben nicht einig und splitten jetzt das Traditionsunternehmen. Der eingeführte Markenname steht künftig für Süßes, die Abteilung Salzig wird ein eigenes Unternehmen mit anderem Namen.

Hannover - Die Bahlsen KG in Hannover, der traditionsreiche Hersteller von Dauerbackwaren und Snacks (Umsatz: knapp zwei Milliarden Mark), wird gesplittet. Wie das manager magazin in seiner Juni-Ausgabe (online ab 21. Mai) berichtet, verständigen sich Bahlsen-Gesellschafter und die übrigen Mitglieder des Verwaltungsrates am 18. Mai nach langen Querelen auf eine Realteilung des Familienunternehmens.

Die Trennlinien werden nach Geschmack und Geographie gezogen. Gründerenkel Werner Michael Bahlsen (50), 36-Prozent-Eigner und bisher Sprecher der Geschäftsführung, wird künftig alle süßen Bahlsen-Erzeugnisse unter eigener Firma vertreiben, bei der auch die Marke Bahlsen verbleibt.

Sein Bruder Lorenz Bahlsen (51), bisher Mitgeschäftsführer im Altunternehmen und dort ebenfalls zu 36 Prozent beteiligt, übernimmt die schon bislang von ihm geleitete, etwa gleich werthaltige Snack-Sparte (salzig), in eigener Regie.

Ihr Schwager Gisbert von Nordeck, Ehemann der im Oktober vergangenen Jahres verstorbenen Gründerenkelin Andrea (Kapitalanteil: 28 Prozent) und die drei Kinder des Paares werden mit den Konzergesellschaften in der Schweiz und Österreich sowie mit Immobilien abgefunden. Zuvor müssen noch die Aufteilung der Bankschulden und steuerliche Fragen geklärt werden.

Die Realteilung beendet einen langjährigen Führungstreit unter den Bahlsen-Erben, der 1996 schon zu einem Ausscheiden des Familienstammes Hermann Bahlsen geführt hatte. Der Vetter der drei Geschwister Werner Michael, Lorenz und Andrea hatte damals im Ge-genzug eine US-Süßwarenfirma, Immobilien und eine Barabfindung erhalten.

Auslöser des jetzigen Beschlusses, künftig getrennte Wege zu gehen, war ein neu ausgebrochener Streit um die strategische und operative Führung des Unternehmens. Noch vor einem Jahr hatten sich die beiden geschäftsführenden Gesellschafter mit den Bahlsen-Aufsichtsräten auf eine strikte Trennung von Kapital und Management geeinigt und die Suche nach einem geeigneten Nachfolger für die Chefposition des Markenherstellers gestartet. Obwohl Personalberater seither zahlreiche qualifizierte Kandidaten präsentierten, mochten die Brüder am Ende keinen Platz machen.

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