Von Lutz Reiche
mm.de: Teilen Sie die Einschätzung der Deutschen Börse, dass Beiersdorf
, Continental
oder T-Online
kein würdiger Nachrücker für MLP gewesen wären?
Schmidt: Nur bedingt. Die Börse hat T-Online als Schwergewicht des neuen TecDax vermutlich aus geschäftspolitischen Gründen hintenan gestellt. Beiersdorf schied für mich nachvollziehbar wegen der Übernahmegerüchte aus. Mit Conti wäre wesentlich mehr Kontinuität in den Index gekommen. Man muss zwar bemerken, dass MLP mit seiner Gewichtung im Dax nicht für nennenswert große Schwankungen sorgt. Doch nach außen hin und mit Blick auf die ohnehin schon sehr stark belasteten privaten Investoren hätte man hier ein Zeichen setzen und Conti in den Index aufnehmen sollen.
Ich halte es insgesamt für erschreckend, dass es in unserer Börsenlandschaft zu wenige Kandidaten geben soll, die MLP hätten ersetzen können. Ich hatte mir einen Austausch gewünscht - im Zweifelsfall eben auch zugunsten für Continental.
mm.de: Die Deutsche Börse begründet aber ihre Entscheidung gerade mit der Wahrung der Indexkontinuität.
Schmidt: Was die Kontinuität des eigentlichen Index' angeht, da stimme ich zu. Was jedoch die Kursschwankungen innerhalb des Index angeht, glaube ich kaum, dass es im Interesse der Märkte liegen kann, wenn ein einzelner Wert mit derart großen Schwankungen heraussticht.
mm.de: Die Fast-Exit-Regel katapultierte Epcos seinerzeit aus dem Dax und die Deutsche Börse rückte nach. Jetzt lagen die Verhältnisse ähnlich. Hat die Deutsche Börse nicht auch vor diesem Hintergrund eine problematische Entscheidung getroffen?
Schmidt: Es stellt sich in der Tat die Frage, ob die Börse hier mit unterschiedlichen Maßstäben arbeitet. Die Flexibilität des Regelwerks beschränkt sich darauf, dass die Deutsche Börse im Ergebnis entscheidet. Seinerzeit ging es im Sinne der Börse recht schnell, bei anderen potenziellen Nachrücker-Kandidaten lässt sie sich aber viel Zeit. Das kann man der Börse sehr wohl vorwerfen.
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