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11.02.2003
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Die Bulthaupt-Kolumne

Der Dollar braucht kein Bärenfett

Von Frank Bulthaupt

2. Teil: Wechselkurse lassen sich nicht herbeireden

Wechselkurse lassen sich nicht herbeireden

Jüngste Verlautbarungen jenseits des Atlantiks sollen unterstreichen, dass die so genannte Politik des starken Dollars aufrechterhalten wird. Braucht der Dollar verbales Bärenfett zur Wiederbelebung? Ein Wechselkurs lässt sich schwerlich herbeireden, ebenso wie sich Unternehmensgewinne oder Arbeitsplätze nicht herbeireden lassen.

Zweifelsohne sind internationale wirtschaftspolitische Kooperationen für die Stabilität einer Währung hilfreich. Auch haben Zentralbanken grundsätzlich die Möglichkeit und damit das Drohpotenzial, bei spekulationsbedingten Fehlentwicklungen intervenierend einzugreifen. Allerdings kann ein fundamentaler Trend eines Wechselkurses auch durch Interventionen nicht aufgehalten werden.

Um sich die Größenordnungen in diesem Umfeld zu vergegenwärtigen, stelle man sich exemplarisch vor, EZB und Federal Reserve hätten seit März 2000 versucht, die damaligen Aktienkurse (ein Finanzmarktpreis wie der Wechselkurs) künstlich zu stützen. Von März (damals stand zum Beispiel der Dax bei überbewerteten 8065 Punkten) bis Dezember 2000 sank der Marktwert der US-Aktiengesellschaften um 1800 Milliarden Dollar (im Euro-Raum um 450 Milliarden Dollar), bis Ende 2002 hatte sich der Marktwert in den USA um 5500 Milliarden Dollar verringert (Euro-Raum 2000 Milliarden Dollar). Was vermögen in diesem Umfeld die Gold- und Devisenreserven der US-Notenbank und des Eurosystems von zusammen rund 500 Milliarden Dollar auszurichten?

US-Dollar bleibt Leitwährung

Vorsicht ist angebracht, aus dem jüngsten Boom des Euro auf mehr als 1,08 Dollar das bevorstehende Ende der Welt-Leitwährung zu schließen. Dieser Kurs ist mit den fundamentalen wirtschaftlichen Entwicklungen sowie mit der eindeutigen Stabilitätsorientierung der EZB vereinbar - möglicherweise beschleunigt durch den Irak-Konflikt und den Bilanzskandalen. Die USA werden allerdings auch in absehbarer Zukunft die mit Abstand größten, das heißt liquidesten Kapitalmärkte vorweisen und damit die dominierende Finanzmarktrolle auf der Mappa Mundi zweifelsfrei behalten.

Dem Euro-Raum hingegen drohen darüber hinaus strukturelle Risiken wie etwa die ungelösten Probleme der Sozialversicherungssysteme in den großen Mitgliedsländern. Eine nachhaltige Aufwertung des Euro über seinen Eröffnungskurs von 1999 erscheint derzeit auch angesichts des Renditepotenzials der beiden Wirtschaftszonen fraglich.

Und ein weiterer Aspekt sollte bei der Diskussion um die Weltleitwährung nicht aus den Augen verloren werden: Der Außenwert einer Währung resultiert nicht nur allein aus nüchternen Finanzmarktbeziehungen. Auch die Symbolik der beteiligten Währungen sollte beizeiten in ihrer Wirkung bedacht werden. Geld ist schließlich auch identitätsstiftend für seine Nutzer und steht vielleicht symbolisch für gemeinsame Werte – warum sonst hängen noch viele Menschen an der "guten alten" Mark, wenn es nur allein um ein bequemes Zahlungsmittel ginge? Der Euro wird zukünftig auch durch den weiteren Ausbau seiner Funktion als Identitätsstifter weiter gestärkt. Die Rolle der Weltleitwährung ist allerdings gegenwärtig vergeben. Dazu bedarf es keines Bärenfetts.

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