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11.02.2003
 

Die Bulthaupt-Kolumne

Der Dollar braucht kein Bärenfett

Von Frank Bulthaupt

Der Euro gewinnt an den internationalen Märkten zunehmend an Gewicht. Dennoch müssen Anleger sich noch keine Sorgen um den Dollar machen. Der Greenback wird auch künftig die Leitwährung bleiben.

Am 1. Januar 1999 startete der Euro mit einem Kurs von 1,18 US-Dollar in die neu geschaffene Währungsunion. Zwei Monate später las man 1,08 Dollar auf den Kurszetteln. Seinen Tiefpunkt markierte die neue Währung mit 0,83 Dollar im Oktober 2000 - ein Wertverfall von 30 Prozent.

  Frank Bulthaupt , Aktienmarktexperte der Dresdner Bank, schreibt regelmäßig für manager-magazin.de
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Frank Bulthaupt, Aktienmarktexperte der Dresdner Bank, schreibt regelmäßig für manager-magazin.de

An Argumenten für die Euro-Schwäche hat es bis ins vergangene Jahr nie gefehlt: Anfängliche Euphorie bezüglich des Produktivitätswunders in den USA, später vor der Euro-Bargeldeinführung der Umtausch enormer DM-Schwarzgeldmengen in Dollarnoten in Osteuropa bis hin zu Ansätzen, die weitere Kapitalmärkte mit ins Visier nehmen: So hat die einheitliche Währung und Geldpolitik im Euro-Raum zu einem Gleichschritt an den Anleihemärkten geführt. Gleichschritt bedeutet aber nicht nur eine gleichförmige Entwicklung der Renditen, sondern zugleich eine Häufung von Risiken.

Der Wunsch nach Diversifizierung hat die Märkte außerhalb des Euro-Raums stärker ins Blickfeld der Investoren gerückt, was einen Druck auf den Euro ausübte. Mittlerweile hat sich der Euro vielen Prognosen zum Trotz wieder auf 1,08 Dollar vorgearbeitet. Müssen wir uns jetzt Sorgen um den Dollar machen?

Wettervorhersage ist einfacher als Wechselkursprognose

Überraschende Wechselkursbewegungen werden traditionell als Versagen sämtlicher Wechselkurstheorien gewertet, denn einfache Erklärungsansätze aus dem Lehrbuch als Basis für die Euro-Dollarprognose versagen regelmäßig. Beispielsweise kann ein Anstieg der Zinsen im Euro-Raum - je nach Konstellation - sowohl mit steigenden, fallenden oder unverändertem Euro-Dollar-Kurs einhergehen.

Diesen überaus komplexen Wechselwirkungen versucht man auf wissenschaftlicher Ebene mit neueren Ansätzen auf Basis der Chaos-Theorie gerecht zu werden. Ohne auf Einzelheiten eingehen zu wollen, impliziert dies letztlich nur eines: Wettervorhersage ist einfacher als Wechselkursprognose.

Und ewig grüßt die US-Leistungsbilanz

Seit rund zwei Dekaden wird das wechselnde Defizit der US-Leistungsbilanz herangezogen, um eine Abwertung des Greenbacks vorherzusagen. Zweifelsohne ist eine Verschuldung gegenüber dem Ausland belastend für die eigene Währung. Die Verschuldung der USA (die übrigens in eigener Währung, also in Dollar besteht) gegenüber der übrigen Welt ist seit Mitte der achtziger Jahre von Null auf mittlerweile 30 Prozent des US-Bruttoinlandprodukts angewachsen. Diese Nettoschuldnerposition der USA sollte zukünftig den Euro vor kräftigen Kursabschlägen schützen (beispielsweise fiel Anfang 1985, d.h. zu Zeiten einer "unverschuldeten USA", der ECU als Vorläufer des Euro bis auf einen Kurs von 0,65 Dollar.)

Aus der defizitären US-Nettoauslandsposition jedoch einen drohenden Kursrutsch des Dollars abzuleiten, ist gewagt. Zu bedenken ist, dass die USA eine wesentlich günstigere demografische Entwicklung aufweist als die alternden Volkswirtschaften Japans oder Europas. Insbesondere Europa täte gut daran, rechtzeitig eine ausreichende Gläubigerposition gegenüber den USA aufzubauen: Denn wie soll die in absehbarer Zeit steigende Zahl der Rentner bei gleichzeitig abnehmender Zahl der Erwerbstätigen versorgt werden, wenn nicht rechtzeitig ein Anspruch auf die zukünftige Produktion in den jüngeren Volkswirtschaften erworben wird?

Insofern ist zu erwarten, dass Kapitalströme weiterhin von "Old Europe" in die USA wandern, dort also Ansprüche erworben werden, die zugleich das aktuelle US-Defizit finanzieren. Aus diesem Argument ist eine weitere Verschuldung der USA gegenüber dem Ausland durchaus gerechtfertigt.

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