Von Frank Bulthaupt
Schlagen Bonds erneut Aktien?
Mit dieser Erfahrung blieb manchem nur die Flucht in "risikolose" Staatsanleihen. Die Performance von 6 Prozent am deutschen Rentenmarkt REX innerhalb der vergangenen 12 Monate spricht für Erfolg im sicheren Hafen. Höhere Gewinne bei geringerem Risiko? Der Unternehmer legt seine Stirn in Falten. Zurecht! Denn Erfolg ist bekanntlich kein Warten im Hafen, sondern eine visionäre Fahrt in unbekannte Gewässer, wie das Beispiel Christoph Kolumbus zeigt.
Blicken wir also genauer auf Ursache und Wirkung des jüngsten Erfolgs im sicheren Hafen: Die Unsicherheit an den Aktienmärkten, ausgelöst durch Bilanzskandale und Ängsten vor Krieg und Terror, hat viele Anleger in Staatsanleihen flüchten lassen, was die Anleihekurse auf Höchststände getrieben und deren Performance verbessert hat.
Risiko für Staatspapiere steigt
Ist die Flucht in Bonds die überlegene Anlagestrategie auch im kommenden Jahr? Was müssen wir erwarten, wenn 2003 Angst und Risikoaversion an den Kapitalmärkten wieder auf ein normales Maß zurückkehren? Gewiss ist die aktuelle Stimmungslage in Deutschland gedrückt, und Optimismus will nicht aufkommen, wie auch die Erwartungskomponente des Ifo-Tests zeigt.
Deutschland ist allerdings nicht der Nabel der Weltbörsen. Insofern ist es nicht überraschend, das die Entwicklung des Volatilitätsindexes VDAX sowie der Rückgang der Spreads für Unternehmensanleihen bereits jetzt auf eine allmähliche Rückkehr der Zuversicht an den Weltkapitalmärkten hindeutet. Ist diese Zuversicht wieder hergestellt, so hat der Mohr seine Schuldigkeit getan: Staatspapiere werden wieder abgestoßen - und verlieren an Wert. Dann könnte sich bewahrheiten, dass das größte Risiko jene laufen, die kein Risiko eingehen wollen. Wir sehen: Auch der Bondmarkt ist keine bärenfreie Zone.
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