Von Frank Bulthaupt
Diversifiziere! Setze nicht alles auf eine Karte und streue das Risiko! So lautet das erste Gebot für jeden Investor. Das dritte negative Börsenjahr geht zu Ende. Viele Aktienanlagen weisen zweistellige Verlustraten auf. Wurde bei der Anlagepolitik gegen das erste Gebot verstoßen? Wo bleiben die Diversifikationsgewinne, wenn man am dringendsten auf sie angewiesen ist?
Frank Bulthaupt, Aktienmarktexperte der Dresdner Bank, schreibt regelmäßig für manager-magazin.de
Aber nur, und da beginnt das Kleingedruckte, wenn sich die internationalen Börsen nicht zu sehr im Gleichschritt bewegen.
In Bärenjahren gehen alle Börsen im Gleichschritt. Die Entwicklung der Weltkapitalmärkte war in den vergangenen Dekaden durch zunehmende internationale Integration charakterisiert. Innerhalb des Euro-Raumes, zwischen Europa und den USA sowie zwischen den USA und den Emerging Markets wurde die Kursentwicklung immer ähnlicher.
Der Beipack der Globalisierung
Zwar haben sich durch die Anzahl der Märkte die Möglichkeiten der internationalen Risikostreuung erhöht. Allerdings verringert sich durch die Gleichschaltung der Börsen als unvermeidlicher Beipack der Globalisierung das Potential für Risikosenkungen. Aus einer historischen Perspektive befindet sich dieses Potential auf einem Allzeittief.
Und seit Mitte 2000 kommt ein weiteres – nicht unbekanntes - Phänomen noch hinzu: Der Gleichschritt der Aktienbörsen ist im Bärenmarkt deutlicher ausgeprägt als in Zeiten einer normalen Börsenentwicklung. Die Möglichkeit einer Risikoreduktion durch eine internationale Streuung der Aktien ist in einem Umfeld wie in diesem Jahr kaum noch vorhanden. In welches Land die Kapitalströme auch flüchten, vor dem Bären – nach nordeuropäischer Überlieferung dem Herrn der Tiere - gibt es kein Entrinnen.
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