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04.12.2002
 

Die Bulthaupt-Kolumne

Vor dem Bären gibt es kein Entrinnen

Von Frank Bulthaupt

Globalisierung bedeutet auch die Gleichschaltung der Börsen. Anleger haben kaum eine Chance, durch Streuung das Risiko zu verringern. Wer deshalb in Staatsanleihen flüchtet, geht für das kommende Jahr jedoch ebenfalls ein hohes Risiko ein.

Diversifiziere! Setze nicht alles auf eine Karte und streue das Risiko! So lautet das erste Gebot für jeden Investor. Das dritte negative Börsenjahr geht zu Ende. Viele Aktienanlagen weisen zweistellige Verlustraten auf. Wurde bei der Anlagepolitik gegen das erste Gebot verstoßen? Wo bleiben die Diversifikationsgewinne, wenn man am dringendsten auf sie angewiesen ist?

  Frank Bulthaupt , Aktienmarktexperte der Dresdner Bank, schreibt regelmäßig für manager-magazin.de
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Frank Bulthaupt, Aktienmarktexperte der Dresdner Bank, schreibt regelmäßig für manager-magazin.de

Jahre ist es her, da konnten Investoren von einer internationalen Streuung ihres Portefeuilles profitieren. Wie in den Lehrbüchern vorgerechnet wird, verringert sich durch internationale Diversifizierung das Risiko einer Anlage bei gleichem erwarteten Ertrag.

Aber nur, und da beginnt das Kleingedruckte, wenn sich die internationalen Börsen nicht zu sehr im Gleichschritt bewegen.

In Bärenjahren gehen alle Börsen im Gleichschritt. Die Entwicklung der Weltkapitalmärkte war in den vergangenen Dekaden durch zunehmende internationale Integration charakterisiert. Innerhalb des Euro-Raumes, zwischen Europa und den USA sowie zwischen den USA und den Emerging Markets wurde die Kursentwicklung immer ähnlicher.

Der Beipack der Globalisierung

Zwar haben sich durch die Anzahl der Märkte die Möglichkeiten der internationalen Risikostreuung erhöht. Allerdings verringert sich durch die Gleichschaltung der Börsen als unvermeidlicher Beipack der Globalisierung das Potential für Risikosenkungen. Aus einer historischen Perspektive befindet sich dieses Potential auf einem Allzeittief.

Und seit Mitte 2000 kommt ein weiteres – nicht unbekanntes - Phänomen noch hinzu: Der Gleichschritt der Aktienbörsen ist im Bärenmarkt deutlicher ausgeprägt als in Zeiten einer normalen Börsenentwicklung. Die Möglichkeit einer Risikoreduktion durch eine internationale Streuung der Aktien ist in einem Umfeld wie in diesem Jahr kaum noch vorhanden. In welches Land die Kapitalströme auch flüchten, vor dem Bären – nach nordeuropäischer Überlieferung dem Herrn der Tiere - gibt es kein Entrinnen.

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