Heidelberg - Die "externen Angriffe" und das schwache Umfeld an den Finanzmärkten haben den Heidelberger Finanzdienstleister heftig getroffen. Der Gewinn vor Steuern werde im Gesamtjahr mit etwa 100 Millionen Euro deutlich unter dem Vorjahreswert von 150,7 Millionen Euro liegen, teilte das wegen angeblicher Bilanzierungsunregelmäßigkeiten in die Kritik geratene Unternehmen am Donnerstag mit. Nach dem ersten Quartal hatte das Unternehmen noch einen Vorsteuergewinn von rund 195 Millionen Euro in Aussicht gestellt.
Manfred Lautenschläger
Der Vorsteuergewinn sank im ersten Halbjahr auf 53,1 Millionen Euro nach 53,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. MLP
hatte seine Erwartung für die ersten sechs Monate bereits Anfang August gesenkt.
Die Kunden warten bei der "Riester-Rente" ab
MLP begründete die drastisch gesenkte Ergebnisprognose unter anderem mit der massiven Kapitalmarktschwäche und einem reduzierten Neugeschäft. Zudem herrsche bei den MLP-Kunden eine abwartende Haltung gegenüber der "Riester-Renten", hieß es. Der Finanzkonzern hatte bislang immer bekundet, dass das Ergebnis jährlich um 30 Prozent steigen werde.
Die Gesamterlöse stiegen nach Angaben der Heidelberger in den ersten sechs Monaten von 438,9 Millionen Euro auf 505,9 Millionen Euro. Das Ergebnis je Aktie (EPS) reduzierte sich von 38 Cent auf 31 Cent. Der Rückgang liege vor allem an der Kapitalerhöhung, hieß es.
MLP-Aktie im Plus
Der Vorsteuergewinn ging im zweiten Quartal um 19 Prozent auf 28,6 Millionen Euro zurück. Das EPS sank von 25 auf 17 Cent. Die Gesamterlöse kletterten in den drei Monaten von 237,7 Millionen Euro auf 263,1 Millionen Euro. An der Frankfurter Börse legte die MLP-Aktie am Donnerstagmorgen trotz der Gewinnwarnung in den ersten Minuten um über vier Prozent zu.
Der Chef des Finanzdienstleisters, Bernhard Termühlen, hat unterdessen eingeräumt, dass sein Büro abgehört wurde. Es sei eine Abhöranlage gefunden worden, sagte er am Donnerstag bei der Vorlage der Halbjahresbilanz in Frankfurt. Diese Tatsache habe MLP an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. "Wir wollten daraus bewusst keine Anzeige machen", sagte der Vorstandschef. Eine Anzeige hätte nur den Verdacht nach sich gezogen, MLP wolle von den Bilanzvorwürfen ablenken.
Vergangene Woche hatte es nach Presseberichten geheißen, Termühlens Büro sei verwanzt gewesen. Es gebe einen ehemaligen Vertrauten von Termühlen, der im Unfrieden geschieden sei. Er verbreite im Internet - etwa in Börsenchatrooms - Vertraulichkeiten.
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