Bereits am Vortag war in Analystenkreisen der Vorwurf laut geworden, das Unternehmen habe offenbar in der vergangenen Woche 20 Mitarbeiter aus allen Bereichen entlassen, ohne dies zu publizieren. Die vorliegende Bilanz enthalte weder eine Kapitalflussrechnung noch einen Anhang, der die kurz- und langfristigen Schuldenpositionen kommentiere, was den Wahrheitsgehalt in Frage stelle.
Dazu komme ein Gerücht, dass ein Altaktionär seine Bestände verkaufe. Für Anfragen sei das Unternehmen bereits seit Tagen nicht mehr erreichbar, was zu massiver Unsicherheit am Markt geführt habe. "Der nächste Schritt ist nun voraussichtlich die Insolvenz", sagte ein Analyst am Dienstag.
Phenomedia
arbeite mit mehreren unabhängigen Entwickler-Unternehmen zusammen, darunter auch die Mühlheimer Funatics GmbH. Er gehe davon aus, dass die finanzielle Verpflichtung von Phenomedia gegenüber ihren Töchtern insgesamt drei bis vier Millionen Euro betrage. "Das ist ein Teufelskreis: Wird eine Tochter insolvent, hat die Mutter Nachschusspflicht und bekommt dadurch ebenfalls Probleme."
Die laut dem Analysten von Phenomedia beauftragte
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG treffe in diesem Fall aber möglicherweise "keine so große Schuld" wie bei Comroad
. Er gehe davon aus, dass das Unternehmen den Prüfern die Nachschusspflicht gegenüber seinen Tochtergesellschaften vorenthalten habe.
KPMG selbst teilte am Dienstag mit, man habe bislang keinen Bestätigungsvermerk für den Jahresabschluss 2001 der Phenomedia AG erteilt. Grund sei unter anderem, dass das Unternehmen trotz mehrmaliger intensiver Aufforderung noch offene Nachweise für angeblich ausstehende Forderungen bis heute nicht vorgelegt habe. An der Erstellung oder Überprüfung der Quartalsabschlüsse zum 30. Juni 2001 und 30. September 2001 sei die KPMG in keiner Weise beteiligt gewesen.
Die Aktie von Phenomedia war am 22. November 1999 mit einem Ausgabepreis von 22,50 Euro am Neuen Markt platziert worden. Das Konsortium bestand aus Delbrück & Co. Privatbankiers, Dresdner Bank AG, net.IPO AG, Westdeutsche Genossenschafts-Zentrale eG und der Gontard & Metallbank, die auch als Konsortialführer auftrat.
Unter dem Stichwort "Bevorzugte Zuteilung" ist auf der offiziellen Informationsseite der Deutschen Börse vermerkt: "100.000 Aktien für Geschäftsfreunde, 250.000 Aktien an die Aktionäre der Gold-Zack AG."
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