Von Patricia Döhle und Ulric Papendick
Das Wort "Deal" kann Thomas Pütter nicht ausstehen. Er mache keine Deals, sagt der Chef der Münchener Beteiligungsfirma Allianz Capital Partners (ACP). Seine Mission klingt volkswirtschaftlich verträglicher: "Wir sind ein Change Agent."

Mythos und Realität: Was alles schief geht, wenn sich Finanzinvestoren an Unternehmen beteiligen
In der Praxis hat Pütter zwar eine Menge Deals abgeschlossen. Mit dem Gewinn bringenden Wandel aber ist es so eine Sache.
Beispiel Tank & Rast: Ende 1998 übernahm ACP gemeinsam mit zwei weiteren Investoren für 600 Millionen Euro die rund 300 bis dahin staatlichen Autobahntankstellen. Durch Investitionen in die Qualität der Betriebe wollten Pütter & Co. den Wert von Tank & Rast steigern und dann später über einen Börsengang aussteigen.
Heute sind wichtige Vorhaben der Investoren noch immer nicht umgesetzt. Das erhoffte rasante Wachstum blieb aus. Der Wert des Unternehmens dürfte sich seit der Privatisierung eher verringert als vermehrt haben. Kein Wunder, dass von einem Börsengang derzeit nicht mehr die Rede ist.
Pütters ACP ist nicht das einzige so genannte Private-Equity-Haus, bei dem einiges schief läuft. Etliche andere Firmen, die das Kapital privater Großinvestoren in unternehmerischen Beteiligungen anlegen, haben sich ebenfalls verkalkuliert.
Selbst klangvolle Namen der Branche wie Apax Partners oder Clayton Dubilier & Rice (CDR), die vor wenigen Jahren noch als Katalysatoren des überfälligen Strukturwandels in Deutschland gefeiert wurden, erweisen sich als überschätzt, in einigen Fällen gar als naiv.
Als die Investmentprofis vor einigen Jahren hier zu Lande antraten, präsentierten sie sich noch als eloquente Alleskönner. "Sleeping Beautys" wollten sie wachküssen - vernachlässigte Konzerntöchter, verschlafene Mittelständler oder verstaubte Staatsbetriebe mit verdecktem Potenzial.
Diese Firmen wollten die Finanzinvestoren optimieren, ausbauen, weiterentwickeln. Meist war von neuer, progressiver Unternehmenskultur die Rede, oft von strategischer Neuausrichtung, manchmal sogar von kompletter Sanierung. In jedem Fall glaubten die Buy-out-Experten, weit mehr aus den Unternehmen herausholen zu können als deren Alteigentümer.
Gewiss, der Einbruch von Börsenkursen und die Rezession haben das Geschäft nicht leichter gemacht. Doch viele der Firmen, die einst große Hoffnungen in ihre neuen, meist internationalen Partner setzten, müssen jetzt erleben, dass die Finanzprofis in Krisenzeiten oft schneller mit ihrer Weisheit am Ende sind als ganz normale Manager.
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