Donnerstag, 9. Februar 2012, 19:30 Uhr

manager magazin



14.12.1998
 

Telefonpreise

Der Trick mit dem Takt

:Die saftigen Tarifsenkungen in der deutschen Telekommunikations-Branche werden immer häufiger durch Veränderung der Zeittakte aufgefangen. Jede angefangene Minute wird dann voll verrechnet.

Düsseldorf - Knapp ein Jahr nach dem Fall des Sprachmonopols der Deutschen Telekom AG gewinnt der Preiskampf zwischen den Telefon-Anbietern zunehmend an Schärfe. Nach dem Motto, wer ist der billigste im ganzen Land, übertreffen sich die Firmen gegenseitig mit günstigen Angeboten. Dem Verbraucher kanns recht sein: Zum 1. Januar werden die Telefongebühren purzeln, ein Ende des freien Preisfalls ist nicht in Sicht.

Doch wer seine Wahl für eine bestimmte Telefongesellschaft trifft, sollte sich nicht von absoluten Preisabschlägen blenden lassen. Denn bei den Tarifsenkungen steckt der Teufel im Detail. Die Anbieter rechnen die Gespräche nämlich mit unterschiedlichen Zeittakten ab: Die verbraucherfreundlichste Variante ist die sekundengenaue Abrechnung. Hier zahlt der Kunde exakt für die Leistung, die er auch in Anspruch nimmt. Doch immer mehr Anbieter setzen inzwischen auf den Minutentakt, um die saftigen Preissenkungen zum Teil wieder herauszubekommen.

Beispiel Mannesmann Arcor: Der Marktführer unter den neuen Wettbewerbern kündigte vor wenigen Tagen drastische Preisabschläge für 1999 an. Doch was bei allem Tarifgetöse unterging: Arcor rechnet die sogenannten Call-by-Call-Gespräche künftig nicht mehr im Sekundentakt ab, sondern auf Minutenbasis. Im Extremfall bedeutet dies: Wer ein kurzes Telefonat von etwa 15 Sekunden führt, zahlt bei Arcor künftig mehr als bisher. So berechnet das Unternehmen gegenwärtig für eine Viertelminute sekundengenau noch zehn Pfennig plus sechs Pfennig Verbindungsgebühr. Doch künftig gilt: Ob eine Sekunde oder eine Minute, fällig werden in der Hauptzeit 18 Pfennig.

"Bei jedem Gespräch verliert man Geld", sagt Manfred Peters von der CCL Technologies über den Minutentakt. Im Durchschnitt würde der Verbraucher 17 Prozent mehr bezahlen als bei sekundengenauer Abrechnung, meint der Geschäftsführer des westfälischen Systemhauses für Telekommunikation. Denn kaum ein Kunde telefoniert minutengenau. Auch die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände in Bonn moniert: "Durch den Verzicht auf eine sekundengenaue Abrechnung gehen Beträge in einer enormen Größenordnung verloren".

Vertriebsleute haben indes erkannt, daß man über den Trick mit dem Takt dem Verbraucher in die Tasche greifen kann. Grund: die Margen werden bei sinkenden Telefongebühren enger. Thomas Stormanns von Talkline vergleicht die Situation mit dem Mobilfunk: Dort hätten die Anbieter zu Beginn auf die Sekundentaktung gesetzt. Als die Preise ins Rutschen kamen, seien die Abschläge durch veränderte Zeittakte teilweise wieder aufgefangen worden.

"Bei der Taktung ist der Kunde nicht so sensibel", meint Michael Rebstock von der Münchner Viag Interkom. Unter den größeren bundesweiten Anbietern ist das Unternehmen neben der Marburger Teldafax die einzige Gesellschaft, die beim offenen Call-by-Call (ohne Anmeldung) noch sekundengenau ohne Verbindungszuschläge abrechnet. Und das soll Rebstock zufolge auch im kommenden Jahr so bleiben. Auch Teldafax will den Sekundentakt 1999 nicht verändern.

Dagegen setzte die Mobilcom von Anfang an auf den Minutentakt. Talkline arbeitet mit zwei Takten: Von 21 bis neun Uhr mit einer Minute, in der übrigen Zeit mit zehn Sekunden. Die Telefongesellschaft Otelo stellte zum 1. September von der sekundengenauen Abrechnung auf die Minute um. Mit den meisten Zeittakten arbeitet nach wie vor die Deutsche Telekom.

VonPeter Lessmann

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