Schon seit Jahren schließen Arbeitnehmer mit ihren Unternehmen Direktversicherungen ab oder zahlen in Unterstützungs- und Pensionskassen ein, um die gesetzliche durch eine betriebliche Rente zu ergänzen. Ein angenehmes Geschäft für die Finanzbranche, müssen doch nicht Tausende von Kunden umworben, sondern "nur" einzelne Unternehmen überzeugt werden.
Mit der Rentenreform wird diese lukrative Form der Kundenwerbung in bisher ungekanntem Ausmaß wachsen, davon sind die Banken, Sparkassen und Versicherungen überzeugt. So will die Sparkassen-Finanzgruppe zum Beispiel jeden vierten Mitarbeiter zum "Riester-Experten" machen und zielt damit nicht nur auf den Privatkunden, sondern gezielt auch auf die kleinen und mittelständischen Unternehmen.
Die Arbeitnehmer als Kapitalverwalter
Dürften die Finanzprofis bei den kleineren Betrieben weiterhin ausschließlich mit den Geschäftsführern und Eigentümern verhandeln, sitzen bei den Großunternehmen und den tariflich gebundenen Arbeitgebern auch die Arbeitnehmer mit am Verhandlungstisch. Denn die Gewerkschaften wollen bei der Umsetzung der Riester-Reform ein gehöriges Wörtchen mitreden. Die Arbeitgeber spielen ebenfalls mit und wollen die gemeinsame Gründung von Versorgungswerken in die Tarifverträge aufnehmen.
Die Größenordnungen sind gewaltig: Die IG Metall geht davon aus, dass die Hälfte der 3,6 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie ihre private Altersvorsorge über den von den Gewerkschaftern und den Arbeitgebern gemeinsam aufgelegten Pensionsfonds organisieren wird. Auf Arbeitgeberseite ist man sogar noch optimistischer. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser rechnet mit einer Quote von 75 Prozent.
Die Erfahrungen mit Mitarbeiterfonds sind bei den Unternehmen bisher sehr positiv. DaimlerChrysler, Eon, Henkel und Schering sind nur einige Beispiele. Beim Pharmakonzern Schering werden schon rund 3200 Depots für den in Zusammenarbeit mit der DWS aufgelegten Fonds geführt. Vorteil für die Arbeitnehmer: Der Ausgabeaufschlag entfällt. Bei diesen Angeboten handelt es sich aber noch nicht um Pensionsfonds im Sinne der Riester-Rente. "Wir arbeiten schon an einer Lösung für die Rentenreform. Auch die Gespräche mit den Gewerkschaften laufen", so Schering-Sprecher Robert Ungnad.
USA und Niederlande als Vorbilder
Da die Pensionsfonds bei so vielen Einzahlungswilligen in kurzer Zeit Milliardenbeiträge einsammeln dürften, werden sie in der Finanzszene schnell eine feste Größe werden. Kritiker befürchten deshalb, dass die Gewerkschafter das ihnen indirekt anvertraute Geld für ihre Interessen "missbrauchen" könnten. "Man kann den Kapitalismus nicht austricksen", verbannt Berthold Huber, baden-württembergischer IG-Metall-Bezirksleiter, diese Vorwürfe ins Reich der Spekulationen.
Dass diese Vorwürfe in der Tat nicht tragen, macht auch das Beispiel Niederlande deutlich. Dort gibt es schon seit 50 Jahren Pensionsfonds, die mittlerweile fast 450 Milliarden Euro verwalten und damit sogar das niederländische Bruttoinlandsprodukt (400 Milliarden Euro) übertreffen. "Die Fonds haben noch nie ihre Macht missbraucht, wenn es um Personalabbau oder Übernahmen ging", hält Gerard Verheij vom niederländischen Unternehmerverband VNO-NCW die Ängste für unbegründet.
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Ideologische Grabenkämpfe stehen dem Erfolg der Pensionsfonds also nicht im Weg. Darüber, wie groß er nun aber wirklich sein wird, sind sich die Experten noch nicht ganz einig. Die Schätzungen für das Altersvorsorgevermögen in Deutschland reichen von 160 bis 300 Milliarden Euro bis zum Jahre 2010.
Arne Stuhr
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