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manager magazin



24.05.2001
 

Metabox

Chronik eines angekündigten Todes

Von Clemens von Frentz

Die lange Geschichte eines Unternehmens, das die Internet-Technik revolutionieren wollte.

Teil 5

28. November 2000

: Einstieg in den britischen Markt

Ad-hoc-Meldung: "Die Metabox International AG, Tochterunternehmen der Metabox AG, Hildesheim (MBX), hat den Einstieg in den britischen Markt für Interaktives Fernsehen geschafft. Der unterzeichnete Vertrag sieht die Lieferung von mindestens 100.000 Geräten der neuen Metabox-Generation vor, beginnend ab dem Mai 2001 für zunächst 12 Monate. Es ist geplant, die Geräte zur Nutzung einer T-Commerce-Plattform ab dem 3. Quartal 2001 britischen Privathaushalten zur Verfügung zu stellen. Alle Lieferungen werden durch unwiderrufliche Akkreditive (Irrevocable Letter of Credit) besichert und bezahlt."

Und wieder werden keine Namen genannt. In der Meldung heisst es dazu: "Der Vertragspartner unterliegt Einschränkungen aufgrund einer 'quiet period' und wünscht daher zur Zeit nicht genannt zu werden. Vertraulichkeitsvereinbarungen (Non-Disclosure-Agreements) bestehen zwischen Metabox und dem Vertragspartner sowie dessen Vertragspartnern, insbesondere um bis zum genannten Zeitpunkt eine erfolgreiche Markteinführung nicht zu gefährden."

Die Anleger schwanken zwischen Hoffnung und Zweifel. Der letzte Absatz der Meldung beruhigt. Dort ist zu lesen: "Der genannte Vertrag wurde vor Veröffentlichung dieser Meldung dem Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel vorgelegt."

Die Behörde selbst ist über die Darstellung offenbar nicht erfreut. Wenige Wochen später meldet die Nachrichtenagentur vwd: "Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel, Frankfurt, hat gegen die Metabox AG, Hildesheim, eine Untersagungsverfügung erlassen. In dieser Verfügung wird dem Unternehmen verboten, in Ad-hoc-Meldungen darauf hinzuweisen, dass Lieferverträge dem Bundesaufsichtsamt vorgelegt worden sind. (...) Sollte sich Metabox der Verfügung, die am Donnerstag rechtskräftig wird, widersetzen, ist nach Angaben der Sprecherin ein Zwangsgeld fällig."

Anfang Dezember 2000: Metabox korrigiert Abschluss 1999

Aus dem Unternehmen ist zu hören, dass in den ersten neun Monaten 2000 ein Umsatz von 32 Millionen Mark erwirtschaftet worden sei. Der Verlust habe sich auf elf Millionen Mark belaufen. Das negative Ergebnis sei vor allem durch die hohen Vorlaufkosten der Entwicklung neuer Produktlinien verursacht worden.

Den Anlegern wird erneut Hoffnung gemacht: Die Auslieferung der neuen Geräte, so heisst es, solle ab dem ersten Quartal 2001 beginnen. Der Vorstand erwarte 2001 einen Umsatz von 600 Millionen Mark und ein Ergebnis von 33 Millionen Mark.

13. Dezember 2000: Metabox korrigiert die Korrektur

Die "Welt" meldet: "Die Metabox AG muss ihre Bilanzen für das Jahr 1999 korrigieren. Das Unternehmen wird nach der Korrektur auf nur noch 17,5 Millionen Mark Umsatz statt 42,9 Millionen Mark kommen. Der Fehler: Die Metabox-Tochter Amstrad wurde voll in das 1999er Unternehmensergebnis integriert, obwohl die Übernahme der Firma durch Metabox erst im Dezember wirksam wurde."

Weiter schreibt das Blatt: "Man werde, so Domeyer, 2001 rund 33 Millionen Mark Gewinn machen. Zuvor braucht das Unternehmen neues Kapital, die liquiden Mittel belaufen sich auf derzeit nur noch drei Millionen Mark. Nach Angaben von Metabox werden von den Großaktionären weiter 20 Millionen kommen."

Außerdem berichtet das Blatt über den Rückzug der Hildesheimer aus dem Sport-Sponsoring. Demnach verkauft der Vorstand den 80-prozentigen Anteil an der Metabox Braunschweig Basketball GmbH für eine Mark (!), nachdem das Engagement hohe Kosten verursacht habe - insgesamt zwei Millionen Mark.

13. Dezember 2000: Neue Durchhalteparolen aus Hildesheim

Gegenüber dpa äußert sich CEO Domeyer sehr zuversichtlich zur Entwicklung seines Unternehmens. Noch am gleichen Tag berichtet die Agentur: "Beim Hildesheimer Multimediaunternehmen Metabox wird es nach Aussage seines Chefs Stefan Domeyer zu keinen weiteren Verzögerungen bei der Fertigung neuartiger Set-Top-Boxen für interaktives Fernsehen kommen. Die Serienproduktion bei zwei großen europäischen Auftragsproduzenten laufe in diesen Tagen an.

Die Auslieferung werde wie geplant im ersten Quartal beginnen. (...) Metabox verfügt nach eigenen Angaben über zwei Großaufträge für 600.000 dieser neuen Geräte, die die Integration von digitalem und analogem Fernsehen sowie Internet ermöglichen."



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