Washington - Die erneute Auswertung der rund sechs Millionen Stimmzettel soll bis Donnerstagabend Ortszeit abgeschlossen sein.
Nach der ersten Auszählung war das Rennen zwischen dem Republikaner George W. Bush und dem Demokraten Al Gore so knapp, dass die erneute Zählung angeordnet wurde.
Ob am Donnerstagabend jedoch tatsächlich der 43. Präsident der Vereinigten Staaten feststeht, ist ungewiss. Eine unbekannte Größe stellen Briefwahlstimmen aus Übersee dar, die binnen zehn Tagen nach der Abstimmung eintreffen können.
Bush liegt nach inoffiziellen Zahlen vorne
Zuletzt lag Bush nach einer inoffiziellen Zählung der Nachrichtenagentur AP in Florida mit 1.655 Stimmen in Führung vor dem bisherigen Vizepräsidenten. Allerdings meldet der Nachrichtensender CNN, dass bei der Auszählung am Dienstag eine Wahlure vergessen worden sei und nicht gezählt wurde.
In der Wahlnacht hatte sich die Entwicklung gleich mehrmals überschlagen: In Prognosen ging zunächst Gore in Führung, wurde dann aber von Bush überholt. Früh zeichnete sich ab, dass die Wähler in Florida mit der Verteilung von 25 Wahlmännerstimmen das Zünglein an der Waage bilden.
Gore zieht Gratulation zurück
In fast jeder Hinsicht handelt es sich um ein noch nicht da gewesenes politisches Spektakel - eine Achterbahnfahrt zwischen Sieg und Niederlage. Gore gestand, als Bush in Florida deutlich in Führung lag, seine Niederlage in einem Telefonat mit dem Rivalen ein.
Nachdem der Abstand wieder geringer wurde, rief er Bush erneut an und zog die Äußerung zurück. Gores Wahlkampfleiter William Daley sagte: "Es hat noch nie eine Wahlnacht wie diese gegeben." Bushs Wahlkampfmanagerin Karen Hughes seufzte: "Unglaublich".
Bush sieht sich als Gewinner
Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat George W. Bush ist zuversichtlich, dass er die Wahl schließlich gewinnen wird. Als Präsident werde er alles tun, um die bei der Wahl tief gespaltene Nation wieder zu einen, sagte er am Mittwoch vor Journalisten.
270 Stimmen der Wahlmänner müssen erreicht werden
Bis Mittwochabend konnte ohne Florida kein Kandidat die 270 Stimmen im Wahlmännergremium auf sich vereinigen, um Präsident zu werden. Auch bei knappster Mehrheit gehen alle Wahlmännerstimmen allein an den führenden Kandidaten. Bush hatte bis dahin ohne Florida 246 Wahlmännerstimmen, Gore 255.
Sollte sich das äußerst knappe Ergebnis in Florida für Bush bestätigen, hätte der texanische Gouverneur die für den Gesamtsieg erforderliche Mindestzahl von 270 Wahlmännerstimmen erreicht und wäre der 43. Präsident der USA.
Bush gewann in Al Gores Heimatstaat
Bei den absoluten Zahlen liegen beide Kandidaten bislang gleichauf bei 48 Prozent. Mit einem Anteil von rund drei Prozent kam der Kandidat der Grünen, Ralph Nader, auf den dritten Platz. Gouverneur Bush gewann unter anderem in Gores Heimatstaat Tennessee, in Ohio sowie in seinem eigenen Staat Texas. Zu den wichtigsten Einzelergebnissen Gores gehörten Siege in den bevölkerungsreichen Staaten Michigan, Kalifornien und Pennsylvania.
Putin bietet Hilfe bei Stimmenauszählung an
Der russische Präsident Wladimir Putin hat Washington im Scherz russische Hilfe bei der Auszählung der Stimmen der US-Präsidentschaftswahlen angeboten.
Im Gespräch mit Journalisten während eines Aufenthalts in Rostow am Don verwies er angesichts der Verzögerung bei den Wahlergebnissen in den USA darauf, dass sich Russlands Vorsitzender der Zentralen Wahlkommission, Alexander Weschnjakow, gegenwärtig in den USA aufhalte. "Nötigenfalls kann er seinen amerikanischen Kollegen helfen", scherzte Putin.
Mit Gratulationen wollte er daher nach Angaben der Agentur Itar-Tass noch abwarten. Seinen "Favoriten" wollte Putin nicht nennen. "Wir werden mit jeder US-Administration zusammenarbeiten", sagte Putin.
Clinton gratuliert für Wahlkampagne
US-Präsident Bill Clinton hat Al Gore und George W. Bush am Mittwoch zu einer "energischen, kämpferischen und wahrlich bemerkenswerten" Wahlkampagne um seine Nachfolge im Weißen Haus gratuliert. Er sei ein faszinierter Beobachter gewesen, sagte Clinton in Washington. "Das amerikanische Volk hat nun gesprochen. Es wird eine Weile dauern, um festzustellen, was es genau gesagt hat", meinte Clinton. "Kein Amerikaner wird jemals ernstlich mehr sagen können: Meine Stimme zählt nicht."
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