Mittwoch, 20. September 2017

Rodbertus und Penzlin Kleinkrieg um Prokon

Gespanntes Verhältnis: Prokon-Gründer Carsten Rodbertus (links) und Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin

Der Insolvenzverwalter sieht kaufmännisches Fehlverhalten, der Gründer geht zu persönlichen Angriffen über: Prokons Insolvenz wird auch vom Konflikt zwischen Carsten Rodbertus und Dietmar Penzlin bestimmt.

Lässt häufig Dampf ab: Prokon-Gründer Carsten Rodbertus
Mit seinem langen Haarzopf könnten manche Carsten Rodbertus für einen Alternativen halten. Die Idee eines Unternehmens, das Geld direkt bei Anlegern sammelt, sich nicht von Banken abhängig macht und mit Windparks die Umwelt ein Stück sauberer, begeisterte viele - ebenso wie die versprochene Rendite von bis zu acht Prozent. Insgesamt 1,4 Milliarden Euro vertrauten 75.000 Anleger Rodbertus an, der auf werbetouren erfolgreich die Vision von Moral und Öko-Geschäft propagierte. Kritiker sahen dagegen ein Schneeballsystem, das zusammenbrechen würde.

Der Industriekaufmann fuhr ein schlichtes Auto und konnte Mitarbeiter motivieren. Den finanziellen Zusammenbruch von Prokon will der 53-Jährige, dem nicht nur Penzlin kaufmännische Fehlleistungen vorhält, nicht wahrhaben: "Mein Ziel war und ist es, Prokon im Ganzen zu erhalten und von innen heraus zu sanieren", schrieb Rodbertus noch am Sonntag an Penzlin und warf diesem vor: "Sie wollen Prokon fit für den börsennotierten Kapitalmarkt machen, was jedoch nie Philosophie von Prokon war."

Ziel von Rodbertus Angriffen: Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin
Der erfahrene Insolvenzverwalter und Anwalt Dietmar Penzlin bevorzugt die Sanierung im Stillen, muss sich nun aber gegen die Attacken des Ex-Prokon-Chefs wehren. "Auch wenn man als Insolvenzverwalter häufig mit Kritik leben muss: Eine derartige Vielzahl persönlicher Angriffe habe ich in der Tat noch nie erlebt", sagt der 43-Jährige. Seine Devise: "Man muss in diesen Situationen immer die Ruhe bewahren und sich weiter ganz auf den Sanierungsprozess konzentrieren. Nur darum geht es."

Penzlin hat bisher rund 1000 Insolvenzverfahren abgewickelt. Amtsgerichte in Hamburg und der Metropolregion bestellten ihn, wenn Firmen etwa der Schiffs- und Kreditbranche oder der Erneuerbaren Energien - wie jetzt Prokon - in Existenznöte gerieten. Penzlin hat an Universitäten in Würzburg, Bayreuth, Freiburg und London studiert. Nach einer internationalen Anwaltssozität ist er seit 2007 Partner einer Kanzlei in Hamburg.

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