Dienstag, 22. August 2017

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Hamburger Reederei ist pleite Worst Case für Rickmers - Insolvenzquote nur 2,3 Prozent?

In Schieflage: Bei diesen Mittelständlern griffen Anleger daneben
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AFP

Bei der Hamburger Rickmers-Gruppe ist eingetreten, was seit langem zu befürchten war, und was sich in den vergangenen Wochen und Monaten bereits abgezeichnet hatte: Nachdem die HSH Nordbank als wichtigster Kreditgeber des Unternehmens ihre Zustimmung zur geplanten Umstrukturierung der Rickmers-Schulden verweigert hat, ist der Gang in die Insolvenz nun unausweichlich. Am Donnerstag teilte das Unternehmen mit, das ein entsprechender Antrag bei Gericht in Hamburg eingereicht worden sei.

Es ist der Tiefpunkt einer jahrzehntelangen Unternehmenshistorie. Schon Anfang der 1980er Jahre hob Schifffahrtsunternehmer Bertram Rickmers seine Firmengruppe aus der Taufe. Die Reederei-Gruppe stieg zu Weltrang auf und machte selbst im Krisenjahr 2016 noch mit 114 Schiffen auf den Ozeanen, davon rund 40 im eigenen Eigentum und der Rest in der Bewirtschaftung für Dritte, und mehr als 2000 Mitarbeitern zu Lande und auf See einen Jahresumsatz von beinahe 500 Millionen Euro.

Mit seiner Firmengruppe setzte Bertram Rickmers eine Familientradition fort, die in Hamburg bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreicht. Seinerzeit stiegen die ersten Unternehmer dieses Namens in der Elbmetropole ins Reederei- und Werftengeschäft ein. Gegenwärtig ist neben Bertram auch dessen Bruder Erck Rickmers in Hamburg als Unternehmer aktiv: Mit seiner Nordcapital-Gruppe wandte er sich neben der Schifffahrt auch dem Immobilien- und Private-Equity-Geschäft zu und ist zudem über die E.R. Schifffahrt ebenfalls als Reeder tätig.

Der Niedergang der Reederei-Gruppe von Bertram Rickmers indes begann, als 2008 die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise ausbrach. Seinerzeit rutschte die globale Handelsschifffahrt in eine Krise, von der sie sich bis heute nicht erholt hat. Zu optimistische Neubaubestellungen hatten Überkapazitäten zur Folge, die wiederum für anhaltenden Druck auf die Einnahmen der Reedereien sorgen. Das hat bereits zu vielen Firmenschieflagen und -pleiten geführt.

Bisher prominentesten Beispiel war die koreanische Reederei Hanjin, einst eines der zehn größten Schifffahrtsunternehmen der Welt, die im vergangenen Jahr die Segel streichen musste. Hierzulande bekamen zudem Tausende Anleger von Schiffsfonds die Marktkrise zu spüren: Ihre Schiffe brachten nicht mehr die erforderlichen Einnahmen, rutschten oftmals in die Pleite und sorgten bei den Investoren für erhebliche Verluste.

Ähnlich lief es bei der Rickmers-Gruppe: Als Charterreederei, die ihre Schiffe an andere Reedereien vermietet, sowie als Dienstleister der maritimen Wirtschaft, der auch Frachter anderer Firmen managt, wurde sie heftig von der Krise getroffen. So wurden Mietverträge immer häufiger nicht oder nur zu unbefriedigenden Konditionen verlängert. Zudem litt die Unternehmensgruppe unter der Krise bei den Schiffsfonds, für die sie einst zahlreiche Schiffe gemanagt hat.

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Die Folge waren Umsatzeinbrüche und Verluste: Allein 2016 schrumpften die Erlöse der Firmengruppe um 18 Prozent von 587 auf 483 Millionen Euro. Unterm Strich stand dabei ein Verlust von 341 Millionen Euro - zu viel, um weiterzumachen wie bisher. Die Rickmers-Gruppe ist unter diesen Bedingungen schlicht nicht mehr in der Lage, ihren Verbindlichkeiten nachzukommen, sprich: Das Unternehmen kann seine Kredite nicht mehr bedienen.

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