Sonntag, 23. Juli 2017

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Rickmers Holding Mega-Schiffsanleihe mit Fragezeichen

Traditionsname "Rickmers": Die Hamburger Reedereigruppe will bis zu 200 Millionen Euro bei Anleiheinvestoren einsammeln

Der Schiffsfonds ist tot - jetzt kommt die Schiffsanleihe. So ungefähr stellt es sich offenbar die Hamburger Rickmers Holding vor, die derzeit versucht, eine 200-Millionen-Euro-Schuldverschreibung zu platzieren. Der Zins von fast 9 Prozent signalisiert vor allem eins - Risiko.

Hamburg - Eine Anleihe mit einer Verzinsung von 8,875 Prozent pro Jahr - ist das die Lösung der Probleme in der Schiffsfinanzierung? Die Rickmers Holding, eines der traditionsreichen Reedereiunternehmen Hamburgs, verspricht diesen Zins für ihr Papier, das von Anlegern seit Anfang dieser Woche gezeichnet werden kann. Maximal bis zum 7. Juni wird der Emittent versuchen, Investoren dafür zu begeistern. Mit einem Volumen von bis zu 200 Millionen Euro könnte es eine der größten Anleihen werden, die es am Mittelstandsegment hierzulande bislang gegeben hat.

Die Rickmers-Emission erscheint nicht nur wegen des angestrebten Volumens bemerkenswert. Erstmals seit längerer Zeit begibt sich wieder ein maritimes Unternehmen auf diesem Weg an den Kapitalmarkt. Zuletzt gab es das nur bei der MS-Deutschland-"Traumschiff"-Anleihe Ende 2012 sowie bei einem 480-Millionen-Euro-Papier, das Hapag-Lloyd schon 2010 auf den Markt brachte.

Und dabei dürfte es kaum bleiben. "Aus Sicht der Branche ist das der richtige Schritt", urteilt Axel Steffen über die Anleihe der Rickmers Holding. Der Managing Director der H. Vogemann Holding, eines Hamburger Schifffahrtsunternehmens, das sich auf den Betrieb von Massengutfrachtern, sogenannten Bulkern, spezialisiert hat, ist sich sicher: "Wir werden künftig weitere solcher Kapitalmarkttransaktionen von Seiten der maritimen Wirtschaft sehen."

Doch sind solche Offerten auch für Anleger attraktiv? Wer das beurteilen will, sollte einen Blick auf die Hintergründe werfen: Die Schifffahrtsbranche braucht Geld - und von Fondsinvestoren oder Banken ist kaum noch welches zu bekommen. Jahrelang hatten die deutschen Reeder schwunghafte Geschäfte mit der Finanzindustrie betrieben. Schiffsfonds mit Milliardenvolumen wurden an Privatanleger verkauft, lange Zeit noch dazu mit üppigen Steuervorteilen versehen.

Schifffahrt in der Krise

So wuchs die deutsche Handelsflotte gemessen an der Zahl der Frachter mit derzeit knapp 3900 zur laut Reederverband größten der Welt heran. Mit knapp 1800 Schiffen führt Deutschland auch das Ranking der Heimatländer von Containerpötten mit großem Abstand an. Auf Platz zwei folgt Japan - mit lediglich 318 Einheiten.

Die Zahlen sind jedoch ein Relikt aus besseren Zeiten. Seit einigen Jahren durchläuft die maritime Wirtschaft eine der schwierigsten Phasen bislang. Seit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Jahr 2008 kommt die Handelsschifffahrt weltweit nicht wieder auf die Beine. Die Charterraten, die Reeder für die Vermietung ihrer Schiffe kassieren, befinden sich bei vielen Schiffstypen und Größenklassen unter erheblichem Druck.

Zudem macht den Reedern hierzulande zu Schaffen, das frühere Geldquellen versiegen. Privatanleger etwa können dem Investment in Frachtschiffe offenbar nichts mehr abgewinnen - jedenfalls nicht in seiner bisherigen Form per Schiffsfonds. Jüngste Zahlen des Initiatorenverbandes VGF zeigen, dass seit Monaten praktisch kein Eigenkapital mehr mit solchen Beteiligungsgesellschaften eingesammelt wird. Das Segment ist offenbar so gut wie abgestorben.

Erschwerend hinzu kommt, dass auch von Banken nur noch schwierig Kredite zu bekommen sind. Die Commerzbank beispielsweise hat ihren kompletten Rückzug aus der Schiffsfinanzierung bekannt gegeben. Andere Branchengrößen wie die HSH Nordbank treten ebenfalls deutlich kürzer.

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