Dienstag, 26. September 2017

Drohende Prokon-Pleite Mit Vorsicht zu genießen

Düstere Aussichten: Den Inhabern von Prokon-Genussscheinen steht kaum Gutes bevor - ebensowenig wie manch anderen Anlegern dieser Investmentform

Die drohende Pleite der Windkraftfirma Prokon rückt eine Beteiligungsform in den Fokus, die sich bei Unternehmen wachsender Beliebtheit erfreut, jedoch für Anleger tückisch sein kann: Der Genussschein. Antworten auf die wichtigsten Fragen, die sich Anleger jetzt stellen sollten.

Hamburg - Es ist ein Debakel mit Ansage: Seit Monaten mehren sich die kritischen Berichte über die Windkraftfirma Prokon mit Sitz in Itzehoe. Mit großem Werbeaufwand hatte das Unternehmen bei etwa 75.000 Anlegern mehr als eine Milliarde Euro für Windparks und andere Neue-Energien-Projekte eingesammelt. Nachdem nun offenbar mehr und mehr Geldgeber aussteigen wollen, droht das Investmentkonstrukt zu implodieren. Seit dem Wochenende warnt Prokon auf der hauseigenen Website vor der Gefahr der Insolvenz.

Keimzelle des Finanzierungssystems von Prokon ist eine Beteiligungsform, die sich seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit bei Unternehmen erfreut: der Genussschein. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Anleihe und Aktie. Anleger erhalten eine fixe Zinszusage, die in der Regel deutlich über dem liegt, was zurzeit bei Banken an festen Zinsen zu bekommen ist.

Das hat jedoch seinen Preis: Die Rechte der Investoren sind deutlich geringer als etwa jene von Aktionären. So gibt es in der Regel beispielsweise keine Mitspracherechte oder Kontrollmöglichkeiten über die Verwendung der Mittel. Geht das Unternehmen pleite, so werden die Geldgeber zudem nachrangig bedient, sprich: sie stehen weit hinten in der Schlange der Gläubiger.

Hohes Risiko

Dennoch gelingt es immer mehr Firmen, Genussrechte am Markt zu platzieren. Waren früher vor allem Banken oder solide Großkonzerne wie Bertelsmann die Emittenten, so beschaffen sich heute auch viele aufstrebende Unternehmen vor allem aus der Neue-Energien-Branche oder der Immobilienwirtschaft auf diesem Wege frisches Kapital.

Der Grund ist Experten zufolge häufig, dass die Firmen Schwierigkeiten haben, auf herkömmliche Weise, beispielsweise per Bankkredit, an Geld zu kommen. Zudem wird der Markt für geschlossene Fonds, der zu dem Zweck bislang gerne genutzt wurde, zunehmend gesetzlich reguliert - das Genussscheingeschäft dagegen kaum.

Es gilt daher: Solche Genussscheine müssen zwar nicht per se schlecht sein, das Risiko damit Geld zu verlieren, ist jedoch deutlich höher als bei vielen anderen Anlageformen. Wer auf die verlockenden Zinsen von 7, 8 oder gar 9 Prozent schielt und tatsächlich ein solches Engagement eingehen will, sollte daher in jedem Fall zuvor die folgenden Fragen klären.

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