Samstag, 25. Juni 2016

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Vermögensbildung "Mitarbeiter zu Mitunternehmern machen"

Am Betrieb beteiligen und Vermögen aufbauen: Das geht auf vielfältige Weise, ist aber noch nicht weit verbreitet, dabei zahlen Unternehmen ihren Mitarbeitern zum Beispiel auf Genussrechte bis zu 10 Prozent Zinsen

Die Renditen in der privaten und betrieblichen Altersvorsorge fallen fortgesetzt. Wäre es eine gute Alternative, sich am eigenen Unternehmen zu beteiligen? Der Wissenschaftler Hans-Christian Riekhof ist davon überzeugt. Er fordert dafür die gleichen Privilegien wie bei Riester und Co.

mm: Herr Professor Riekhof, ob betrieblich oder privat - an Optionen zur Vermögensbildung und Altersvorsorge fehlt es in Deutschland nicht. Warum sollten Mitarbeiter sich auch noch finanziell an ihrem Betrieb beteiligen, wofür Ihr Verband eintritt und jetzt sogar Siemens-Chef Jo Kaeser öffentlich warb?

Riekhof: An Wegen und Produkten zur Vermögensbildung fehlt es in der Tat nicht. Doch trotz staatlicher Förderung von Geldanlagen in Aktien, Bausparplänen oder Lebensversicherungen geht die Vermögensschere in Deutschland immer weiter auseinander: das Vermögen konzentriert sich noch viel stärker als das Einkommen in den Händen einiger Weniger. Hier muss gesellschaftspolitisch gegengesteuert werden.

mm: Wie zum Beispiel?

Riekhof: Aus unserer Sicht ist es an der Zeit, über neue Wege der Vermögensbildung in Deutschland nachzudenken und neue Anreize zu setzen. Das gilt umso mehr, als die klassischen Formen der Altersvorsorge bekanntermaßen unter dem anhaltenden Niedrigzins leiden, die Renditen dahin schmelzen und dass dies auf lange Sicht zu empfindlichen Vermögenseinbußen führt. Wo hat es denn in den vergangenen zehn bis 20 Jahren extreme Vermögenswertzuwächse gegeben? Doch vor allem in der Wirtschaft. Und was ist davon bei der arbeitenden Bevölkerung angekommen? Wenig.

mm: An welche Anreize denken Sie?

Riekhof: Die staatliche Förderung - sei es nun über direkte Zuschüsse oder Steuerfreibeträge - konzentriert sich auf die private und betriebliche Altersversorgung. Während Mitarbeiter im Zuge der betrieblichen Altersversorgung im kommenden Jahr bis zu 2856 Euro steuer- und sozialabgabenfrei in eine Betriebsrente investieren können, ist eine Mitarbeiterkapitalbeteiligung gerade mal mit 360 Euro begünstigt. Das heißt, Belegschaftsaktien, GmbH- und Genossenschaftsanteile oder auch Genussrechte und stille Beteiligungen, die vor allem im Mittelstand eine Rolle spielen, werden damit als Anlageform diskriminiert.

mm: Das heißt, für Beteiligungen der Mitarbeiter am eigenen Betrieb, Zinserträge daraus oder auch mögliche Zuschüsse des Unternehmens fordern Sie ebenso das Privileg der nachgelagerten Besteuerung?

Riekhof: Völlig richtig, Zuwendungen seitens der Unternehmen für eine Mitarbeiterbeteiligung sollten ausnahmslos erst bei der Ausschüttung steuerlich und sozialversicherungsrechtlich relevant werden - der Staat kann auf den ihm zustehenden Teil gerne ein wenig warten, damit die Bruttozuwendungen angelegt werden können. Gerade mit Blick auf das Ausland sehe ich hier erheblichen Nachholbedarf.

mm: Wie sieht denn die Förderung im Ausland aus?

Riekhof: Die steuerliche Behandlung von Mitarbeiterbeteiligungen ist im Ausland viel vorteilhafter: In Österreich und den Niederlanden können Mitarbeiter etwa 1500 Euro steuer- und sozialabgabenfrei anlegen, in Großbritannien sind es mehr als 3500 Euro - hier wurde der Betrag erst kürzlich noch einmal angehoben. In Spanien und Frankreich sind es jeweils sogar mehr als 12.000 Euro. Entsprechend ist die Mitarbeiterbeteiligung in diesen Ländern auch mehr verbreitet.

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