Montag, 25. Juli 2016

Stichtag Silvester Steuerflucht in Silbermünzen

Vergleich: Das kosten die beliebtesten Silbermünzen heute und 2014
Fotos
AFP

Wegen einer Steuererhöhung werden Silbermünzen Anfang 2014 schlagartig teurer. Käufer drängen daher schon jetzt verstärkt in den Markt. In den kommenden Wochen könnte es Händlern zufolge einen regelrechten Run geben - inklusive möglicher Lieferengpässe.

Hamburg - Wer vorhat, Geld in Silber zu investieren und zu dem Zweck entsprechende Münzen zu erwerben, der sollte sich womöglich sputen. Denn die Steuerbelastung auf Silbermünzen steigt zum 1. Januar 2014. Schon jetzt nimmt deshalb Edelmetallhändlern und Marktbeobachtern zufolge das Interesse an diesen Münzen zu - bis Jahresende könnte eine regelrechter Run einsetzen, heißt es am Markt.

Hintergrund ist eine Steuererhöhung, die die Bundesregierung im zweiten Anlauf Mitte dieses Jahres beschlossen hat. Danach wird auf Silbermünzen wie die beliebten "Silber-Philharmoniker" oder "Maple Leaf Silber" künftig 19 Prozent Mehrwertsteuer erhoben. Bislang betrug der Satz für diese Münzen 7 Prozent. Die Steuererhöhung, mit der eine EU-Vorgabe umgesetzt wird, hatte Berlin bereits Ende vergangenen Jahres ins Auge gefasst. Seinerzeit konnten sich die Parteien aber nicht einigen.

Im Klartext heißt das: Kostet ein "Silber-Philharmoniker" derzeit netto rund 18,15 Euro, so kommen bis Jahresende noch 7 Prozent, sprich 1,27 Euro Mehrwertsteuer obendrauf. Ab 1. Januar 2014 beträgt der Zuschlag an den Fiskus jedoch 19 Prozent - was im Beispiel einem Plus von etwa 3,45 Euro entspricht. Die Differenz von mehr als zwei Euro kann sparen, wer noch vor Silvester handelt.

Und tatsächlich: Mit Blick darauf decken sich Anleger nach Angaben von Händlern offenbar bereits mit Münzen ein. Bei Pro Aurum in München etwa ist der Silberanteil am gesamten Handelsvolumen von 20 auf 30 Prozent gestiegen. "Es gibt bereits eine höhere Nachfrage", sagt ein Sprecher des Unternehmens zu manager magazin online. "Wegen der Steuererhöhung zum Jahresende dürfte sie weiter ansteigen."

Preisniveau wieder gesunken

Dabei nutzen die Käufer auch das wieder niedrigere Preisniveau des Edelmetalls. Seit Anfang des Jahrtausends war der Silberpreis kontinuierlich gestiegen. Sein Hoch erreichte er im Sommer 2011, als eine Feinunze kurzzeitig beinahe 50 Dollar kostete. Inzwischen hat sich der Markt wieder etwas beruhigt und die Unze ist für knapp 23 Dollar (16,40 Euro) zu bekommen.

"Wir merken ein Anziehen der Nachfrage zum Jahresende", sagt auch Axel Potthast, Geschäftsführer beim Goldkontor Hamburg. Auch er rät Kunden, die mit dem Gedanken einer Geldanlage spielen, jetzt zu handeln.

Daniel Marburger von Jewellers Trade Services Limited in London erwartet zum Jahresende sogar "einen extremen Anstieg der Silbernachfrage". "Immerhin geht es um 12 Prozent Steuern, die der Anleger sparen kann", sagt er zu manager magazin online.

Die Frage ist, ob es angesichts der zunehmenden Kaufwünsche zu weiteren Lieferengpässen kommen wird. Seit einiger Zeit bereits sind einige Gold- und Silbermünzen wie zum Beispiel bestimmte Ausprägungen des berühmten "Krügerrand" Marktteilnehmern zufolge nur noch schwer zu bekommen. Minen in Australien und Nordamerika meldeten kürzlich Probleme, mit der Prägung hinterherzukommen. Grund waren offenbar die Preiseinbrüche im Frühling dieses Jahres, die viele Privatanleger zum Nachkaufen animierten.

Seite 1 von 2
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH