Samstag, 21. Oktober 2017

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Auftragsarbeit für Vermögensverwalter Ex-Siemens-Chef von Pierer geht auf Firmenjagd

Der Mann, der mal Mr. Siemens war: Heinrich von Pierer, hier auf der Hauptversammlung des Dax-Konzerns 2007.

Deutschlands Firmenjäger bekommen Konkurrenz durch ein Allstar-Team: Heinrich von Pierer (76) und Klaus Wucherer (73). Die Ex-Siemens-Vorstände suchen nach Übernahmekandidaten für den Lennertz & Co Family Equity Fund von Philipp Lennertz (39). Der ehemalige UBS-Banker betreut mit seinem Hamburger Family Office mehr als eine Milliarde Euro liquides Vermögen. Sein Vater Horst (74) war Technikvorstand von E-Plus und ist von Pierer als treuer Siemens-Großkunde in guter Erinnerung geblieben.

Lennertz und der zweite geschäftsführende Gesellschafter Oliver Piworus (44) verwalten unter anderem Vermögen für die Familien Mayer-Schierning und Abée - beide sind Nachkommen einer Hamburger Immobiliendynastie, der unter anderem das inzwischen verkaufte Einkaufszentrum Bleichenhof in bester Innenstadtlage unweit des Jungfernstiegs gehörte. Heute sind sie Mitgesellschafter von Lennertz & Co.

In den Beirat des Beteiligungsfonds ging der ehemalige Siemens-CEO von Pierer, weil er es "spannend" findet, wie Lennertz' Leute "in neue Geschäftsmodelle investieren". Als Experten für Digitalisierung und Industrie 4.0 empfahl er seinen Weggefährten Wucherer: "Da gibt's keinen Besseren."

Die beiden dürften genug zu tun bekommen: Bis 2019 soll der Fonds direkt in bis zu zehn Unternehmen investieren, das übrige Geld fließt in die Fonds namhafter Beteiligungsgesellschaften.

Von Pierer hat nach seinem Abgang bei Siemens 2007 Gefallen am Private-Equity-Geschäft gefunden. Seit Jahren berät er die MIG Fonds in München, die Privatanlegergelder in junge Unternehmen investieren, und hilft als Beirat der Münchener Industrieholding Serafin, die vor allem Geld der Unternehmerfamilie Haindl anlegt.

Lennertz & Co hat bisher eher industriefern investiert: bei Brillen.de, der Sushikette EatHappy und kürzlich beim Sportartikelhändler 21sportsgroup. Dort prüft derzeit auch Ex-ProSieben- und Premiere-CEO Georg Kofler (60) den Einstieg. Ganz ohne die alte Garde kommt eben auch die Startup-Avantgarde nicht aus.

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