Freitag, 26. August 2016

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Gold-Nachfrage weltweit Diese Länder kaufen Barren, diese Länder kaufen Schmuck



Mehr als 18 Prozent Plus seit Mitte Dezember - während 2016 bislang kaum ein Investment wirklich Freude bereitet, hat Gold Börsen-Chart zeigen einen Teil seines einstigen Glanzes zurückgewonnen. Die Aktienmärkte am Boden, viele Rohstoffpreise im Keller, dazu weiterhin Zinsen nahe der Null: Plötzlich schauen wieder alle auf das Edelmetall. Schon im zweiten Halbjahr 2015 hatte die Nachfrage laut "World Gold Council" leicht angezogen, nachdem sie in den ersten sechs Monaten noch zurückgegangen war.

Neben einer steigenden Nachfrage durch die Zentralbanken der Welt habe zwischen Juli und Dezember 2015 auch die Verbrauchernachfrage stärker angezogen, hält der "Gold Council" weiter fest: Der niedrige Preis habe Kunden weltweit dazu ermuntert, "günstigeren Goldschmuck, günstige Barren und Münzen in die Hände zu bekommen." Wo welche Darreichungsform des Edelmetalls besonders beliebt ist, zeigt die Grafik, die Statista für manager-magazin.de erstellt hat.

Bei der absoluten Nachfrage haben die bevölkerungsreichsten Staaten der Welt, Indien (848,9 Tonnen) und China (1037,4 Tonnen) zwar die Nase vorn. Pro Kopf ergibt sich allerdings ein anderes Bild: Hier hat Hong Kong die Nase vorn. Gut 7 Millionen Einwohner leben in der Stadt; sie waren im Jahr 2015 für insgesamt 52,8 Tonnen Gold-Nachfrage verantwortlich, zu allermeist in Form von Juwelen. Pro Kopf ergibt das gut 7 Gramm des Edelmetalls.

In der Schweiz spielt Schmuck indes überhaupt keine Rolle: Die Eidgenossen legten sich laut "World Gold Council" ausschließlich Barren und Münzen zu.

Turbulenzen an den Finanzmärkten: Warum plötzlich wieder alle auf Gold schauen

Ausgehend von mehreren heftigen Kurseinbrüchen in China befinden sich die Weltbörsen seit Jahresbeginn auf rasanter Talfahrt. Der Dax in Frankfurt etwa hat dieses Jahr bereits etwa 20 Prozent verloren, an der Wall Street sieht es ebenfalls trübe aus.

Turbulenzen an den Finanzmärkten: Warum plötzlich wieder alle auf Gold schauen

Auch die Rohstoffmärkte schwächeln. Besonders dramatisch entwickelt sich der Ölpreis, dessen Absturz scheinbar nicht aufzuhalten ist. Inzwischen kostet ein Barrel der Nordseesorte Brent beispielsweise um die 30 Dollar. Vor anderthalb Jahren waren es noch beinahe 120 Dollar.

Turbulenzen an den Finanzmärkten: Warum plötzlich wieder alle auf Gold schauen

Zu den wenigen Lichtblicken dagegen gehört in diesem Jahr bislang der Goldpreis. Seit dem Fünf-Jahres-Tief Mitte Dezember 2015 ist Gold gerechnet in US-Dollar bereits etwa 18 Prozent teurer geworden - so viel wie kaum ein anderer Nicht-Agrar-Rohstoff.

Es dürfte allerdings noch zu früh sein, von einer Trendwende zu sprechen. Gold befindet sich seit 2011 im Sinkflug - und kleinere Erholungen gab es zwischendurch immer wieder.

Turbulenzen an den Finanzmärkten: Warum plötzlich wieder alle auf Gold schauen

Ein Grund für den Anstieg des Goldpreises dürften neben den Turbulenzen an den übrigen Finanzmärkten auch verschiedene Unsicherheiten in der realen Welt sein, wie etwa die zunehmende Terrorgefahr rund um den Globus ...

Turbulenzen an den Finanzmärkten: Warum plötzlich wieder alle auf Gold schauen

... sowie zahlreiche geopolitische Spannungsfelder wie zum Beispiel der Konflikt zwischen dem Iran und Saudi-Arabien.

Gold gilt traditionell als "sicherer Hafen" für Geld. "Wir haben definitiv viel Angst zurzeit", sagt dazu US-Finanzexperte James Cordier gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Geld werde aus dem Aktienmarkt in Richtung des Edelmetalls verlagert, beobachtet er.

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Bemerkenswert: Auch die begonnene Zinswende in den USA scheint dem Goldpreis nicht zu schaden (im Bild: Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank Fed). Eine Faustregel besagt eigentlich: Höhere Zinsen schmälern die Attraktivität des Edelmetalls für Anleger. Zudem entwickelt sich Gold häufig entgegengesetzt zum ...

Turbulenzen an den Finanzmärkten: Warum plötzlich wieder alle auf Gold schauen

... US-Dollar, der vor dem Hintergrund steigender US-Zinsen seit geraumer Zeit an Wert zulegt. Derzeit scheint diese Logik aber nicht zu greifen. Experten zufolge erwarten Goldinvestoren, dass die Fed ...

Turbulenzen an den Finanzmärkten: Warum plötzlich wieder alle auf Gold schauen

... angesichts der fragilen Konjunktur in den USA und dem Rest der Welt bestenfalls sehr vorsichtig an der Zinsschraube drehen wird. "Die Schwäche der Weltwirtschaft lässt die Leute den geplanten Zinspfad der Fed hinterfragen", sagt Jens Pedersen von der Danske Bank laut Bloomberg. Seiner Ansicht nach wird derzeit nur noch ein Zinsschritt später im Jahr 2016 erwartet, nicht mehr mehrere.

Turbulenzen an den Finanzmärkten: Warum plötzlich wieder alle auf Gold schauen

Vor dem Hintergrund revidieren manche Investmenthäuser bereits ihre Prognosen für die weitere Entwicklung des Goldpreises. Die Citigroup etwa hob ihre Vorhersage jüngst um 7,5 Prozent an und geht jetzt von einem Preis Ende 2016 von 1070 Dollar je Unze aus.

Turbulenzen an den Finanzmärkten: Warum plötzlich wieder alle auf Gold schauen

Für Anleger bieten sich vor allem drei Wege, in Gold zu investieren. Erstens: Der Kauf von Münzen oder Barren, der allerdings die Frage mit sich bringt, wie der Goldschatz angemessen aufbewahrt werden kann. Viele Investoren machen offenbar von dieser Möglichkeit Gebrauch, wie der Umsatzzuwachs von 25 Prozent vermuten lässt, den beispielsweise das Handelshaus Pro Aurum in München kürzlich für das Jahr 2015 meldete.

Turbulenzen an den Finanzmärkten: Warum plötzlich wieder alle auf Gold schauen

Zweite Möglichkeit: Der Kauf von Fondsanteilen, beispielsweise kostensparend in der Form börsengehandelter ETFs, die im Idealfall mit physischem Gold abgesichert sein sollten. Auch diesen Weg beschreiten derzeit offenbar viele Investoren. Laut "Financial Times" erwarben Anleger Anfang dieses Jahres binnen Wochenfrist 26,8 Tonnen Gold über solche physisch abgesicherten Gold-ETFs.

Turbulenzen an den Finanzmärkten: Warum plötzlich wieder alle auf Gold schauen

Drittens: Aktien von Goldminen. Diese versprechen zwar bei einem Anstieg des Goldpreises überproportionale Performance, weil auch die Profite der Minen überproportional steigen können. Allerdings spielen beim Aktienkurs auch viele andere Faktoren eine Rolle. Anleger sollten sich im klaren sein, dass sie sich das allgemeine Börsenrisiko ins Depot holen - womit wir wieder am Anfang dieser Bildergalerie wären.


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