Freitag, 30. September 2016

Machtkampf am Rohstoffmarkt Asiaten wollen sich Goldpreis nicht mehr diktieren lassen

Goldkäufer in China: In Asien hat Goldbesitz einen hohen Stellenwert

Seit annähernd 100 Jahren dominiert London den weltweiten Goldhandel. Auch der Preis wird täglich an der Themse bestimmt. Interessierte Kreise in China wollen die Schwäche des Edelmetalls nun nutzen, um das zu ändern.

Hamburg - China und Indien geben im Goldgeschäft den Ton an. Beide Länder zusammen stehen für deutlich mehr als die Hälfte der weltweiten Nachfrage nach dem Edelmetall, wie Zahlen des World Gold Council zeigen. Doch der Goldhandel findet vor allem an westlichen Börsen wie New York oder London statt. In der britischen Hauptstadt wird zudem seit annähernd 100 Jahren täglich der Goldpreis bestimmt.

Nach dem Willen asiatischer Marktteilnehmer soll sich das nun ändern. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, starten drei große Finanzplätze in Asien gegenwärtig einen eigenen Handel mit Gold Börsen-Chart zeigen. Die Goldbörse in Shanghai etwa biete Kontrakte in der chinesischen Währung Yuan an, die mit physischem Gold aus Shanghai unterlegt seien. In Hongkong sei zudem in Kürze ein auf US-Dollar lautender Kontrakt geplant.

Auf diese Weise will Asien seinen Einfluss im Goldhandel stärken. Wenn an den neuen Börsen ausreichend Gold gehandelt werde, so das "Wall Street Journal", könnten die Börsen auch den Goldpreis beeinflussen, der täglich in London fixiert wird. "Der Markt wird jetzt von Asien bestimmt", zitiert die Zeitung die Managerin eines milliardenschweren Goldfonds von Blackrock.

Zum Hintergrund: Angesichts des sinkenden Goldpreises ist auch die Investmentnachfrage nach dem Edelmetall, die sich vornehmlich an den Börsen in London und New York niederschlägt, zuletzt stark zurückgegangen. Zahlreiche Goldfonds haben erheblich an Volumen verloren.

Chinesische Restriktionen sind hinderlich

Auch jene Anleger in den USA und Europa, die Gold vornehmlich als Absicherung gegen eine mögliche Inflation einsetzen, halten sich zurück. Denn die geringe allgemeine Preissteigerung lässt solche Inflationssorgen in den Hintergrund rücken.

Auf der anderen Seite ist die Nachfrage nach Gold in Asien gegenüber dem vergangenen Jahr zwar ebenfalls erheblich gesunken. Im internationalen Vergleich ist sie aber nach wie vor hoch. So verschieben sich die Kräfteverhältnisse im globalen Goldgeschäft.

Ob die Asiaten die Vormachtstellung Londons inklusive des täglichen Preis-Fixings allerdings tatsächlich ins Wanken bringen können, erscheint fraglich. Das liegt vor allem an bestimmten Restriktionen, die China über den physischen Goldhandel verhängt hat. So dürfen Goldbarren nach China zwar eingeführt werden. Deren Export ist jedoch untersagt. Hinzu kommen strenge Kontrollen Pekings über den Kapitalfluss.

"Jedes Bestreben Chinas einen nicht in London festgelegten Goldpreis zu etablieren, wird durch diese Restriktionen behindert", sagte Ryan Case von der Goldbörse bullioncapital.com dem "Wall Street Journal".

London dominiert den Handel mit physischem Gold seit mehr als 300 Jahren. Seit 1919 wird dort zudem der Goldpreis bestimmt, und zwar in einer zweimal täglich stattfindenden Telefonkonferenz zwischen vier Banken: Barclays Börsen-Chart zeigen, HSBC Börsen-Chart zeigen, Bank of Nova Scotia Börsen-Chart zeigen sowie Société Générale Börsen-Chart zeigen. Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen hatte sich im Frühjahr 2014 aus dem Goldpreis-Fixing zurückgezogen, nachdem Manipulationsvorwürfe laut geworden waren.

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